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Eine Milliarde Dollar in 48 Stunden, ohne dass die Firma um Geld bat: Das Buchhaltungs-Startup wächst, weil den USA die Buchhalter ausgehen

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Eine Milliarde Dollar in 48 Stunden, ohne dass die Firma um Geld bat: Das Buchhaltungs-Startup wächst, weil den USA die Buchhalter ausgehen

Achtundvierzig Stunden. So lange brauchte Rillet, ein amerikanisches Startup für KI-Buchhaltung, um 100 Millionen Dollar (rund 86 Millionen Euro) einzusammeln und eine Bewertung von einer Milliarde zu erreichen. Die Firma, sagt ihr Gründer, habe kein Geld gesucht.

Die Geschichte geht so. Vor einigen Wochen hielt Rillet eine Vorstandssitzung ab und zeigte den Investoren das Wachstum: Der annualisierte Umsatz verdoppelte sich allein im letzten Quartal, neue Kunden kamen hinzu, darunter börsennotierte Unternehmen, und ein Vertrag mit dem Prüfungsriesen EY wurde geschlossen. Nach der Sitzung begannen Nachrichten und Telefonate zu fliegen - und zwei Tage später war die Firma eine Milliarde wert.

Was hier verkauft wird, ist keine Software, sondern ein Mangel. In den USA fehlen Buchhalter, und das ist nicht neu - die Zahl der Buchhaltungsabsolventen sinkt seit 2010. Laut einem aktuellen Bericht hatten 61 Prozent der Finanzchefs im vergangenen Jahr Probleme, Personal zu finden. Wenn einem Berufsstand die Menschen ausgehen, findet jeder, der Ersatz anbietet, einen Investor.

Nicolas Kopp, Mitgründer und Geschäftsführer von Rillet, behauptet, Kunden testeten nicht - sie rissen ihre bestehenden Systeme direkt heraus. Fünfzig Prozent seiner Kunden kommen von Intuit, dreißig Prozent von NetSuite und Sage Intacct, zwanzig Prozent von Oracle, SAP, Workday und Microsoft. „Künstliche Intelligenz wird diese alten Spieler hart treffen”, sagt er.

Die Investoren reden natürlich wie Investoren. Seth Pierrepont von Iconiq, der die Runde anführte, sagt, der Deal sei schnell zustande gekommen, aber „kein Kaltstart” gewesen, weil Rillet bereits bewiesen habe, dass es Firmen schlagen kann, die die Kategorie seit Jahrzehnten halten. Julien Bek von Sequoia kündigt an, „agentisches Finanzgeschäft” könne eine der größten Software-Chancen dieser Ära werden. Jeder, der Geld investiert hat, muss so klingen - das ist kein Beweis, das ist Teil der Transaktion.

Interessanter ist der Teil, der in solchen Meldungen selten vorkommt. Vor rund drei Monaten veröffentlichte Rillet eine Funktion, mit der Buchhalter jede Entscheidung des Algorithmus überprüfen können - welche Zahlen er gezogen und wie er sie berechnet hat. Das ist kein Marketing, das ist das Eingeständnis, dass ein System überprüfbar sein muss, bevor es überhaupt in die Buchführung darf. Amerikanische Regeln verlangen bis heute, dass ein Mensch jede von einem Agenten getätigte Transaktion freigibt.

Kopp glaubt nicht an bevorstehende Massenentlassungen von Buchhaltern - eine Stanford-Studie zeigte kürzlich, dass es bislang keine breite Verdrängung von Arbeitsplätzen gibt. Das US-Statistikamt prognostiziert, dass der Bedarf an Buchhaltern bis 2034 um mindestens 5 Prozent steigen wird. Ob das so bleibt, wenn die Agenten noch etwas dazulernen - das ist eine Frage, die kein Investor ein Interesse hat, ehrlich zu beantworten.