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Selenskyj: Raketen sollen Menschen schützen, nicht in Lagern stehen

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Selenskyj: Raketen sollen Menschen schützen, nicht in Lagern stehen

Wolodymyr Selenskyj sagte in seiner abendlichen Videoansprache einen Satz, der mehr wert ist als der gesamte Rest der Ansprache: Raketen sollen Menschen schützen, nicht in Lagern stehen.

Das ist der Punkt. Nicht, dass es keine Raketen gäbe. Es gibt sie. Die Frage ist, warum sie eingelagert bleiben, statt in Stellung zu sein.

„Auf der Welt gibt es Raketen für die 'Patriot'-Systeme, und es ist wichtig, dass die Partner diese politische Entscheidung über die Lieferung der notwendigen Pakete treffen", erklärte Selenskyj. Und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten wüssten, was die Ukraine braucht, ebenso wie man es in Europa wisse - Anti-Ballistik-Raketen. Die Formulierung ist sorgfältig gewählt: Er verlangt von den Verbündeten nicht, etwas Neues zu produzieren, sondern das in Bewegung zu setzen, was bereits existiert.

Die zweite Hälfte der Forderung

Das andere Thema waren die Sanktionen - und hier wurde er konkreter als sonst. Jede juristische und natürliche Person, die Unternehmen in Russland dabei hilft, ballistische Waffen, Startgeräte oder Raketen zu produzieren, oder Komponenten liefert, muss unter Sanktionen stehen.

„In den Jurisdiktionen der G7-Staaten bestehen weiterhin Lücken", sagte er. Mit anderen Worten: Drei Jahre später gibt es immer noch rechtliche Wege, über die Komponenten dorthin gelangen, wohin sie nicht gelangen sollten. Das ist kein Versehen. Das sind Dinge, die jemand offen hält.

Zum Kraftstoffsektor forderte Selenskyj, alles zu stoppen, was Russland dabei hilft, seine Erdölverarbeitung wieder aufzubauen.

Was hinter dem diplomatischen Vokabular steckt

Hinter dem diplomatischen Vokabular steckt ein ganz praktisches Problem. Der ukrainischen Agentur Ukrinform zufolge fehlen der Ukraine derzeit Raketen für ihre Luftabwehrsysteme, besonders für die Modelle PAC-2 und PAC-3. Das sind die Raketen, mit denen ballistische Geschosse abgefangen werden - jene, die auf Städte zufliegen.

Selenskyj hatte schon zuvor gewarnt, Russland könne seine Produktion ballistischer Raketen gerade wegen unzureichender Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie steigern. Der gesamte Luftkrieg läuft darauf hinaus: Eine Seite produziert schneller, als die andere abfangen kann.

Reaktionen und Entscheidungen

„Natürlich sehen wir, wie jede Führung und jedes Land auf die russischen Angriffe auf die Ukraine reagieren. Aber die einzige starke Reaktion, die das Ziel tatsächlich erreicht und den Menschen hilft, ist zusätzliche Unterstützung für uns", sagte Selenskyj.

Dieser Satz richtet sich an viele Adressen zugleich, und der Balkan kennt die Szene sehr gut. Der Unterschied zwischen einer Beileidsbekundung und einer Entscheidung, die etwas ändert, ist der Unterschied zwischen Protokoll und Politik. Mitteilungen sind gratis, schnell und verlangen von niemandem eine Unterschrift unter ein Risiko.

Deshalb bittet Selenskyj nicht mehr um Solidarität. Er verlangt eine Unterschrift unter ein konkretes Paket und eine konkrete Liste sanktionierter Akteure. Wird er sie vor Ende des Sommers bekommen - oder wird die Forderung im nächsten Monat in derselben Form wiederholt?