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SSM zum 1. Mai mit der Botschaft: 260.000 Arbeiter unter 600 Euro - für Löhne kämpfen wir, wir bitten nicht

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Am 1. Mai eröffnete der SSM - der Gewerkschaftsbund Mazedoniens - in Skopje einen Protest mit einer Botschaft, die alle kennen, die aber niemand offiziell aussprechen wollte: etwa 260.000 von insgesamt 530.000 Arbeitern im Land verdienen weniger als 600 Euro im Monat.

Das ist fast die Hälfte der Beschäftigten. Die Hälfte der aktiven Arbeitsbevölkerung unter einer Grenze, die in Brüssel als untere Schwelle anständiger EU-Löhne gilt. Die Zahlen stammen nicht aus der Opposition. Sie stammen vom Chef des SSM selbst, Slobodan Trendafilov.

Die Parole des Protests: "Für Löhne kämpfen wir - wir bitten nicht". Ziemlich einfach. Und ziemlich präzise. Denn in Mazedonien gibt es bei Löhnen immer drei Seiten: die Arbeiter, die fordern, die Regierung, die verspricht, und die Arbeitgeber, die - seit anderthalb Jahrzehnten - behaupten, "es ist kein Geld da".

Nicht alle Gewerkschaften sind auf der Straße. SONK, die Bildungsgewerkschaft, beschloss, nicht teilzunehmen. Ihre Begründung ist Dialog, nicht Straßendemonstrationen. Das ist eine politische Entscheidung, die die Arbeiter spaltet - und in einer Zeit, in der die Geschlossenheit das größte Gewicht hätte, streitet man über die Form des Ausdrucks.

Der Skopjer Verkehr wird heute anders sein. Die Polizei hat die Fahrer vor Verkehrseinschränkungen gewarnt. Das ist das Standardspiel zum 1. Mai - die Stadt schließt für einen Tag, die Paraden laufen, und am Montag kehrt alles in die gleiche unveränderte wirtschaftliche Realität zurück.

Die Frage ist, ob 260.000 Arbeiter unter 600 Euro eine politische Priorität sind oder nur eine Statistik für Berichte. Die Antwort kommt meist in Form neuer Versprechen: "der Mindestlohn wird angehoben", "die Reformen sind auf dem Weg", "die EU-Integration wird die Löhne bringen". Auf dem Balkan kennen wir diese Sätze seit 30 Jahren. Heute werden die Leute wieder dieselben Versprechen hören - und für dieselben 600 Euro zur Arbeit zurückgehen.