Skip to content

Ukrainische Drohne mit 300 kg Sprengstoff am griechischen Urlaubsort - Athen ruft alle Grenzen auf

1 Min. Lesezeit
Teilen

Der Krieg in der Ukraine schleicht sich seit Jahren leise nach Mittel- und Westeuropa - etwa durch Gaspipeline-Explosionen, Cyberangriffe, Flugzeugzwischenfälle. Aber als eine raketengetriebene Seedrohne mit 300 Kilogramm Sprengstoff und noch laufendem Motor in einer Höhle am griechischen Urlaubsort Lefkada landet, hat sich etwas verändert. Griechenland hat zum ersten Mal laut reagiert.

Der griechische Außenminister Giorgos Gerapetritis richtete eine scharfe Warnung an Kiew: "Die Verwandlung des Mittelmeers in einen Schauplatz militärischer Operationen wird nicht toleriert. Griechenland wird sicherstellen, dass das Mittelmeer von Kampfhandlungen unberührt bleibt." Auf Diplomatensprache heißt der Satz eines - es erreicht auch uns, und zwar jetzt.

Die Drohne, rund fünf Meter lang, wurde von einheimischen Fischern in einer geschützten Höhle an der Küste entdeckt. Experten der griechischen Armee stellten fest, dass es sich um ein Modell "Magura V5" oder "Mamai" handelt - ukrainische Seedrohnen, die massenhaft für Angriffe auf russische Schiffe im Schwarzen Meer eingesetzt werden. Mit 300 Kilogramm Sprengstoff sind sie nicht klein. Sie versenken Tanker.

Kiew zögert und behauptet, es gebe "keine Aufzeichnungen über ein solches Fahrzeug". Klingt vertraut? Es ist die Standardformulierung in Momenten, in denen Antworten als zu teuer gelten. Die Untersuchung der griechischen Armee konzentriert sich auf zwei Hypothesen: Start von einem Handelsschiff oder von einer Basis in Libyen. Die Datenauswertung zeigte, dass der Fundort der Drohne als "sichere Position" vorprogrammiert war - ein Detail, das viel über die operative Disziplin hinter der Geschichte sagt.

Die griechischen Behörden gehen davon aus, dass die Drohne für einen Angriff auf russische Tanker der sogenannten "Schattenflotte" gedacht war - Schiffe, die russisches Rohöl ohne offizielle Registrierung in westlichen Registern über das Mittelmeer zu Drittländern transportieren. Warum sollte Lefkada in dieser Rechnung eine Rolle spielen? Weil es von dort nicht weit zu den entscheidenden Schifffahrtswegen ist. Und weil griechische Hoheitsgewässer bereits als passiver Teil eines Krieges genutzt werden, der ohne formelle Erklärung geführt wird.

Für Leser auf dem Balkan ist die Frage einfach. Wenn Griechenland, Mitglied von NATO und EU, sein Territorium gegen Drohnen verteidigen muss, die von einer Kriegspartei kommen, der es sympathisiert, was passiert mit uns, die wir in dieser Form weder in dem einen noch in dem anderen Bündnis sind? Und wie reagiert ein Land, wenn der Krieg vor seine Haustür kommt - nicht als Erklärung, sondern als fünf Meter langes U-Boot mit Gewehr auf der Veranda? Lefkada hat uns eine Antwort gegeben. Leise. Diplomatisch. Aber mit sehr wenig Spielraum für Mehrdeutigkeit.