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Ein Ticket für die ganze EU: Kommission öffnet den Bahnmarkt - Mazedonien immer noch im Modus "wenn er abfährt"

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Eine Reise. Ein Ticket. Eine Buchung. Klingt einfach - aber in der heutigen EU kaufen Sie für eine Bahnfahrt von Wien nach Barcelona mit Umstiegen 4-5 verschiedene Tickets, gehen durch ebenso viele Plattformen, und wenn ein Zug Verspätung hat, verlieren Sie den Anschluss ohne Anrecht auf Entschädigung im Rest der Reise.

Die Europäische Kommission versucht das zu ändern. Das neue Regelpaket, diese Woche vorgestellt, verpflichtet sich auf das Prinzip "eine Reise, ein Ticket": Reisende sollen eine ganze Route über mehrere Betreiber und Länder mit einem einzigen Ticket buchen können. Verpassen sie einen Anschluss wegen Verspätung eines Betreibers, haben sie Anspruch auf Hilfe, Umleitung oder Entschädigung - unabhängig davon, wer den Anschluss verpasst hat.

Der Kommissar für nachhaltigen Verkehr, Apostolos Tzitzikostas, beschrieb das Konzept so: "Europäer werden mit einem Klick Tickets für mehrere Verkehrsträger planen, vergleichen und kaufen können." Klingt wie ein Slogan - ist es auch. Aber das konkrete Paket impliziert neutrale Vertriebsplattformen, die Verpflichtung dominanter Bahnbetreiber, ihre Buchungssysteme für Wettbewerber zu öffnen, und Fahrgastschutz auf der gesamten Route.

Für Mazedonien? Dieses Paket gilt nicht direkt - denn Mazedonien ist nicht Teil des einheitlichen EU-Bahnmarktes. Die mazedonische Bahn funktioniert in einer eigenen, isolierten Welt: Züge fahren, wenn sie fahren, sind so spät wie sie sind, Tickets werden an einem einzigen Schalter verkauft, und Verbindungen zu internationalen Betreibern sind begrenzt und unstandardisiert. Wer schon mal versucht hat, mit dem Zug von Skopje nach Wien zu reisen, kennt den Ausdruck "Nachtzug in Belgrad und lange Wartezeit". Das ist die Realität.

Aber EU-Vorschriften erreichen die Nachbarschaft über indirekte Wege - Interoperabilitätsstandards, verbindliche Rahmen für den Marktzugang und Druck durch den Beitrittsprozess. Sollte Mazedonien eines Tages Teil des gemeinsamen Bahnmarktes werden, wird diese Regelung die Grundlage dafür sein, wie Verbindungen nach Griechenland, Bulgarien, Serbien funktionieren. Dann wird sich zeigen, dass der Bahnsektor in Mazedonien eine tiefe Reform braucht - nicht nur neue Züge (viel diskutiert), sondern auch neue Infrastruktur, neue Buchungssysteme und neue Pünktlichkeitsdisziplin.

Inzwischen entsteht eine neue europäische Reisenormalität: mit dem Zug, einem Ticket, garantierter Entschädigung. Und jeder Tag, den Mazedonien außerhalb dieses Kreises verbringt, ist ein weiterer Tag, an dem ein junger Mensch aus Bitola oder Shtip ein Flugticket Wien-Barcelona kauft, statt überhaupt an den Zug zu denken. Denn Zug bedeutet in dieser Geografie Ärger. Muss nicht so sein - ist es aber.