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Paris verurteilt Roberto Hamidović zu acht Jahren: Die Kinder stahlen in der Metro, der Clan wohnte in Fünf-Sterne-Hotels

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Paris verurteilt Roberto Hamidović zu acht Jahren: Die Kinder stahlen in der Metro, der Clan wohnte in Fünf-Sterne-Hotels

Roberto Hamidović (48), Anführer eines Clans, der ein Netz von Taschendieb-Banden aus Kindern organisierte, ist in Paris wegen Menschenhandels verurteilt worden. Das Gericht verhängte die Höchststrafe: acht Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Euro. Die Kinder, meist Mädchen von etwa zehn Jahren, bestahlen Touristen in der Pariser Metro und in Disneyland. Die Polizei schätzt, dass sie täglich bis zu 25.000 Euro einbrachten. Die französische Presse verglich den Clan mit der Bande von Fagin aus dem Roman von Dickens.

Im Prozess wurde geschildert, was mit den Kindern geschah, wenn sie nicht genug Geld brachten: Sie wurden geschlagen, verbrannt oder sexuell missbraucht. Die Erwachsenen lebten derweil im Luxus: Designerkleidung, Fünf-Sterne-Hotels, teure Restaurants, Luxusautos und Glücksspiel. Die Kinder schliefen in billigen Hotels und in verlassenen Gebäuden.

Angeklagt waren insgesamt sieben Clanmitglieder, vier Männer und drei Frauen, wegen Menschenhandels, organisierten Diebstahls, Anstiftung Minderjähriger zu Straftaten, Geldwäsche und krimineller Vereinigung. Alle bestritten die Schuld. Ehefrau Lejla erhielt sechs Jahre Haft und 300.000 Euro Geldstrafe, die beiden Söhne, der Enkel und zwei Verwandte zwischen fünf und sieben Jahren. Nach Verbüßung der Strafe werden alle ausgewiesen, mit lebenslangem Einreiseverbot für Frankreich. Es handelt sich um eine Roma-Familie mit Wurzeln in Bosnien und Herzegowina, die Ermittler beschreiben das Netz als international, aktiv in mehreren europäischen Ländern.

Ein Familienunternehmen über drei Generationen

Für Ermittler, die den Clan seit Jahrzehnten verfolgen, wiederholt sich die Geschichte. Schon 2010 nahm die französische Polizei Robertos Onkel Fehmi Hamidović fest, der bereits in Österreich wegen Menschenhandels verurteilt worden war. Der damalige Chef der Pariser Kriminalpolizei, Christian Flaesch, sagte, man habe das Gefühl, „eine völlig mittelalterliche Struktur zerschlagen“ zu haben. Nachdem Fehmi 2013 zu sieben Jahren verurteilt worden war, übernahm Roberto die Kontrolle. Der Clan soll für 75 Prozent der Diebstähle in der Pariser Metro verantwortlich gewesen sein. Roberto selbst behauptete vor Gericht, er handle mit Gebrauchtwagen und verdiene zwischen 2.000 und 5.000 Euro im Monat.

Staatsanwältin Alice Guillet zeichnete ein anderes Bild. Die Kinder wurden angewiesen, der Polizei zu sagen, sie seien 12, ein Jahr unter der Strafmündigkeitsgrenze in Frankreich, sodass die Behörden sie freilassen mussten. Gruppen von sechs bis neun Kindern wurden täglich nach Disneyland, zum Flughafen Charles de Gaulle und in die Metro geschickt. Sie lauerten auch an Geldautomaten: Sie warteten, bis ein Kunde die PIN eingegeben hatte, umringten ihn und rissen ihm das Geld aus der Hand. Roberto und seine Frau sollen rund zwei Millionen Euro angehäuft haben, ein Großteil davon wird im Ausland vermutet. Einen Teil des Jahres verbrachte das Paar in Pula.

Sohn Roberto junior, genannt Goni (22), beaufsichtigte die Banden und kümmerte sich um die Taxis, die die Kinder durch Paris fuhren. Er sitzt bereits seit zwei Jahren in Haft, wo er laut französischer Presse seinen Gucci-Trainingsanzug trägt. Sein in Mailand geborener Sohn heißt Al Capone und wird von einer Nanny in Bosnien und Herzegowina betreut. Cousin Lole Hamidović nannte seine älteste Tochter Dior. Um die Haftentlassung seines Bruders zu feiern, gab Goni in einem Pariser Nachtclub 1.420 Euro für zwei Flaschen Champagner aus.

Die Staatsanwältin sprach von einem Teufelskreis: Auch die sieben Angeklagten waren als Kinder gezwungen worden, für ihre Eltern zu stehlen. „Aus Opfern wurden Täter. Wir müssen diesen Fatalismus durchbrechen“, sagte sie. „Das einzige Werkzeug gegen ein solches System ist Strenge.“ Roberto Hamidovićs Anwältin Emperatriz Aguirre erklärte, die Strafen seien zu hart, da es keine greifbaren Beweise für Menschenhandel gegeben habe.

Die Erwachsenen gehen jetzt ins Gefängnis. Wo die Kinder sind, ist viel schwerer zu sagen. Die meisten der rund zehn Kinder, die der Clan einsetzte, verschwanden nach den Festnahmen. Die übrigen wurden vom Sozialdienst übernommen und in Pflegefamilien untergebracht, fast die Hälfte von ihnen soll inzwischen weggelaufen sein. Der Clan funktionierte drei Generationen lang, trotz aller früheren Urteile. Wer sucht jetzt die Kinder, die fehlen?