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Erstes Puls-Urteil: drei Polizisten auf Bewährung - Eltern der 59 Opfer empört

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Das erste Urteil im Zusammenhang mit der Tragödie in der Diskothek „Puls" in Kočani ist da - und die Strafen sind zur Bewährung ausgesetzt. Drei örtliche Polizisten - Kire Bogatinov, Goran Lazarov und Aleksandar Temelkov - erhielten Bewährungsstrafen wegen Amtsmissbrauchs. Bogatinov und Lazarov je ein Jahr (mit drei Jahren Bewährungszeit). Temelkov zwei Jahre (mit vier Jahren Bewährung).

Was haben sie getan? In Bußgeldprotokollen von Oktober 2023 bis Februar 2024 trugen sie falsche Angaben ein. Statt den tatsächlichen Betreiber - „MMMM Kafe DOOEL" mit Mitko Stojanov als verantwortlicher Person - zu dokumentieren, schrieben sie eine inaktive Firma, „Klasik DM DOOEL", in die Akten. Oberflächlich ein „administrativer Fehler". In der Praxis genau das, was Puls erlaubt hat, ohne volle Verantwortung weiterzulaufen.

Richterin Lidija Petrovska stellte die Fakten klar: „Die Feststellung des Betreibers ist ein substantielles Element, das genauso wichtig ist wie die dokumentierten Verstöße. Die Polizisten haben ihre Pflicht nur formal erfüllt - die Form wurde gewahrt, die Substanz fehlte."

Für die Eltern der Opfer des Puls-Brandes - 59 Tote, über 150 Verletzte - ist der Satz „Form gewahrt, Substanz fehlt" eine Definition aller Institutionen, die vor dem 16. März 2025 versagt haben. Die Polizisten führten formale Inspektionen durch, gingen am Verantwortlichen vorbei, unterzeichneten Protokolle, die nirgendwohin führen. Neun Monate nach dem 16. März 2026 sehen die Eltern drei Bewährungsstrafen. Niemand geht ins Gefängnis.

Die Eltern sind empört - und das zu Recht. Bewährung heißt: wenn innerhalb von drei (oder vier) Jahren keine neue Straftat begangen wird, gibt es keine Haftzeit. Diejenigen, die sicherstellen sollten, dass ein solcher Club nicht ohne Lizenz läuft - bekommen die Chance, weiterzumachen, als wäre nichts geschehen. Für einen Landwirt, der die Mehrwertsteuer nicht rechtzeitig zahlt, fallen weit härtere Urteile.

Die Frage der Eltern: wenn das das erste Urteil ist, was haben wir von den nächsten zu erwarten? In den weiteren Verfahren stehen weitere Polizisten, Inspektoren und Gemeindebeamte vor Gericht. Setzt sich das Muster der „Bewährungsstrafen" fort, ist das eine Botschaft an jede Institution: für die größte Tragödie im modernen Mazedonien wird niemand auch nur einen Tag im Gefängnis sitzen.

Mazedonien hat jedes Recht, sich für dieses Urteil zu schämen. Nicht für den juristischen Aspekt - möglicherweise lässt das Gesetz nichts anderes zu - sondern für den moralischen. Wenn 59 Menschen wegen eines kaputten Systems sterben und die Verantwortlichen mit einer „Bewährung" davonkommen, bestätigt das System selbst, dass sich nichts ändern wird.