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Europa schreibt endlich selbst: Euro-Office erscheint, eine Microsoft-Alternative mit seltsamer Herkunft

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Europa schreibt endlich selbst: Euro-Office erscheint, eine Microsoft-Alternative mit seltsamer Herkunft

Europa hat endlich entschieden, dass es Zeit ist, seine Dokumente selbst zu schreiben. Am 9. Juni erscheint die erste stabile Version von „Euro-Office“ - einer Open-Source-Bürosuite, die als ernsthafte Alternative zu Microsoft Office und Google Docs beworben wird. Es klingt nach Tech-Nachricht, ist aber eigentlich politisch.

Die Ironie liegt in der Herkunft. Euro-Office ist ein „Fork“ - eine unabhängige Kopie - von ONLYOFFICE, einer Suite, die von einem in Lettland registrierten Unternehmen entwickelt wird, aber mit dokumentierten russischen Wurzeln und historischen Geschäftsverbindungen zu russischen Firmen. Genau diese Verbindung trieb europäische Organisationen dazu, eine eigene Version zu schaffen, mit europäischer Verwaltung und größerer Transparenz. Mit anderen Worten: Sie nahmen die Technologie und bereinigten sie von dem Eigentümer, dem sie misstrauten.

Warum überhaupt? Weil sich die Abhängigkeit von amerikanischer Technologie immer öfter als politische Verwundbarkeit erweist. Als US-Sanktionen Funktionären des Internationalen Strafgerichtshofs den Zugang zu Microsoft-Diensten sperrten, wurde allen klar, wie sehr die Kontrolle über die Infrastruktur zum Druckmittel werden kann. Der amerikanische „CLOUD Act“ erlaubt US-Behörden, Daten von Unternehmen unter ihrer Jurisdiktion anzufordern, unabhängig davon, wo die Server physisch stehen.

Deshalb zieht Europa bereits leise um. Die französische Staatsbehörde DINUM wechselte zu Linux, das deutsche Schleswig-Holstein ersetzte Office durch LibreOffice auf über 30.000 Rechnern, und das österreichische Bundesheer migrierte rund 16.000 Arbeitsplätze. Euro-Office ist der nächste Schritt - vorerst eine Web-Anwendung, mit Desktop- und Mobilversionen später, mit Priorität auf Stabilität, Sicherheit und Kompatibilität mit Microsoft-Formaten.

Für den Leser auf dem Balkan ist die Frage, die sich aufdrängt, unangenehm nah: Wenn selbst Europa mit all seinen Ressourcen erst jetzt begreift, wie gefährlich es ist, von fremder Software abzuhängen - wo stehen wir, die wir staatliche Institutionen mit Lizenzen für Programme füllen, über die wir keinerlei Kontrolle haben? Digitale Souveränität ist kein Luxus für die Großen; es ist eine Frage, die beginnt, uns alle zu betreffen.