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Minderjähriger in Pula in JNA-Uniform und mit rotem Stern an Titos Grab: Wo verläuft die Grenze zwischen Freiheit und Störung der öffentlichen Ordnung?

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Am 4. Mai 2026 legte in Pula ein Minderjähriger in der Uniform der Jugoslawischen Volksarmee (JNA) einen Kranz im „Tito-Park" zum Todestag von Josip Broz Tito nieder. Er trug eine Mütze mit rotem Stern. Die Polizei der kroatischen Stadt leitete ein Verfahren wegen Störung der öffentlichen Ordnung und des Friedens ein. Der Minderjährige wird vor dem zuständigen Gericht angezeigt - nach Artikel 5 des kroatischen Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten gegen die öffentliche Ordnung.

Die Begründung ist klar. Die kroatische Polizei argumentiert, die JNA sei „die Armee, die einen Aggressionskrieg gegen die Republik Kroatien geführt hat". Mit dem Tragen der Uniform und des roten Sterns habe der Minderjährige provoziert und den Frieden gestört. Das ist die institutionelle Position. Doch die Realität ist komplexer: In Pula, wie in vielen kroatischen Städten, gibt es Menschen, die Tito anders erinnern. Der „Tito-Park" heißt immer noch so, obwohl seit Jahrzehnten beschleunigt umbenannt wird, was nach Jugoslawien klingt.

Der Minderjährige, dessen Name nicht veröffentlicht wurde, kam nicht allein. Seine Präsenz - in Uniform, mit rotem Stern - ist ein Akt symbolischer politischer Aussage. Ob das seine persönliche Überzeugung ist oder Spiegel der Familiengeschichte - diese Diskussion erkennt das kroatische Recht nicht an. Für den Staat ist die JNA-Uniform Zeichen eines Aggressors. Für einen Teil der Bürger ist sie Zeichen des Erbes.

Für den Balkan ist das kein isolierter Fall. In Bosnien-Herzegowina, in Serbien, sogar in Mazedonien wird eine ähnliche Schlacht um die Symbole der jugoslawischen Ära geführt. Wer hat das Recht, sie zu tragen? Was sind historische Denkmäler, was politische Provokationen? Und wo verläuft die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Störung der öffentlichen Ordnung? Die kroatische Linie ist eine - andere Länder haben ihre eigene, oft weniger formalisiert, aber nicht weniger verwurzelt.

Die selten gestellte Frage: Warum greifen Kinder und Jugendliche noch immer zu den Symbolen eines Systems, das offiziell vor mehr als drei Jahrzehnten endete? Vielleicht weil sich Erbe nicht per Gesetz ändert. Es überträgt sich durch Lieder, Familienerzählungen, Bilder an Wohnzimmerwänden der Großeltern. Wenn ein Staat dieses Erbe für inakzeptabel erklärt, verschwindet es nicht. Es wandert nur in private Räume - bis jemand wieder beschließt, es öffentlich zu zeigen.