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Angst ist Visualisierung ohne Training: Die Technik, mit der sich Spitzensportler auf Druck vorbereiten, dauert fünf bis zehn Minuten am Tag

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Angst ist Visualisierung ohne Training: Die Technik, mit der sich Spitzensportler auf Druck vorbereiten, dauert fünf bis zehn Minuten am Tag

Sportler warten vor einem Finale nicht darauf, dass die Nervosität von allein vergeht. Sie trainieren sie. Im Kopf spielen sie den Elfmeter durch, den letzten Sprung, den Start des Rennens - damit der Körper, wenn es wirklich so weit ist, das Gefühl hat, schon einmal dort gewesen zu sein. Die Technik heißt mentale Probe, und laut Experten ist sie nicht den Stadien vorbehalten.

„Das bereitet das Nervensystem aufs Handeln vor, und man kommt in dem Moment mit einem Körper an, der einem sagt, dass man schon einmal hier war“, erklärt Toni Espigares, Experte für Meditation und persönliche Veränderung. Die Idee: schwierige Situationen vorwegnehmen und trainieren, wie man auf Nervosität und Unerwartetes reagiert. Vorstellungsgespräch, schwieriges Meeting, Rede vor Publikum - das Prinzip ist dasselbe.

Sorgen sind eine Probe - nur die falsche

Der schärfste Teil der Erklärung betrifft die Angst. „Angst ist Visualisierung ohne Training. Sich Sorgen zu machen heißt, das schlimmste Szenario zu proben“, sagt Espigares. Mit anderen Worten: Viele machen schon jeden Abend vor dem Einschlafen eine mentale Probe. Sie spielen nur den falschen Film ab, immer wieder.

Der Unterschied liegt in wenigen Punkten. Sorge beginnt mit einem alarmierten Körper; Visualisierung beginnt mit einem ruhigen Körper, nach ein paar tiefen Atemzügen. Sorge kreist um das Problem; Visualisierung übt die Antwort. Und positive Affirmationen sind nicht dasselbe: Das sind Phrasen, keine Erfahrung. Eine echte Probe hat konkrete Details und Sinneseindrücke und bezieht mögliche Hindernisse bewusst mit ein.

Eine gute Nachricht für alle, die sich kein Bild vorstellen können: Man muss nichts „sehen“. Manche erleben die Probe über ein Körpergefühl, über Klang oder über Bewegung. Selbst Menschen mit Aphantasie - der Unfähigkeit, innere Bilder zu erzeugen - können sie nutzen. Am wirkungsvollsten ist sogar die kinästhetische Probe: die, die man in den Muskeln spürt, im Atem, im Gewicht des Körpers.

Fünf Minuten am Tag und 21 Tage Geduld

Die Übung dauert fünf bis zehn Minuten täglich. Laut Espigares braucht es 21 Tage Training, bis neue Reaktionen automatisch werden. Fortschritte erkennt man an drei Zeichen: Der Körper reagiert anders, der Puls bleibt ruhig, wenn man an die Situation denkt. Das Verhalten ändert sich, man bereitet sich besser vor, ohne lange zu zögern. Und Unerwartetes bringt einen weniger aus dem Gleichgewicht.

Wie oft haben wir vor einer Prüfung oder einer Operation den Rat „denk nicht daran“ gehört? Die Idee, an den schwierigen Moment absichtlich, ruhig und im Detail zu denken, geht genau in die entgegengesetzte Richtung. Sind wir bereit, Stress zu trainieren, statt ihn nur zu ertragen?