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Neues Glücksspielgesetz: 500 Meter Abstand zu Schulen, 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr - und Online-Glücksspiel komplett ignoriert

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Die Regierung bereitet ein neues Glücksspielgesetz vor, und die Reaktionen sind geteilt wie immer, wenn es um eine Branche geht, die von Sucht lebt. Die zentrale Neuerung: ein verpflichtender Abstand von 500 Metern zwischen Kasinos/Spielhallen und Schulen. Hinzu kommen Werbebeschränkungen, die sich an Jugendliche richten.

Die Branche reagierte sofort. Der Verband der Glücksspielorganisatoren (APIS) nannte die Maßnahmen diskriminierend und potenziell verfassungswidrig. Nach ihrer Schätzung wird das Gesetz den Staat rund 350 Millionen Euro pro Jahr kosten und ungefähr 10.000 Arbeitsplätze vernichten. Die Gewerkschaft „Ich will arbeiten” schloss sich der Kritik an - ihre Mitglieder arbeiten in der Branche und fürchten um ihre Zukunft.

Die Gegenposition kommt von Levica. Die Partei sagt, 500 Meter reichten nicht aus - Kasinos müssten komplett aus urbanen Gebieten verbannt werden, in Grenz- und Tourismusregionen. Es ist die logische Fortsetzung ihrer Philosophie: Wenn die Branche Sucht und Armut produziert, soll sie diesen Schmerz dort verursachen, wo es keine Schulen und Familien gibt.

Ein entscheidender Punkt, den die Analyse übersieht: Das Gesetz ignoriert Online-Glücksspielplattformen fast vollständig. Das ist ein riesiger blinder Fleck, denn das Glücksspiel im Internet ist in den letzten Jahren explodiert - Kinder und Jugendliche können über ihre Handys Poker spielen und auf Spiele wetten, und keine physische Distanz hilft dabei. Ein Gesetz, das sich nur auf Mauern konzentriert, während online die Türen offen stehen, ist politisches Theater.

Die Zahlen dahinter sind erschreckend. Mazedonien hat eine der höchsten Pro-Kopf-Glücksspielraten Europas. Familien zerbrechen, Ersparnisse verschwinden, der psychische Terror in den Häusern von Spielsüchtigen ist nicht messbar. Allein in den letzten fünf Jahren ist die Nachfrage bei NGOs für Suchthilfe dramatisch gewachsen, während die institutionelle Versorgung weiterhin hinterherhinkt.

Eine einfache Lösung gibt es nicht. Wenn man alle Kasinos schließt, geht die Branche in den Graubereich - illegale Clubs werden im Untergrund öffnen, und wer dort arbeitet, zahlt keine Steuern. Lässt man sie, wo sie jetzt sind, hat die nächste Teenager-Generation dieselben Probleme wie die heutige. Eine ausgewogene Politik braucht sowohl physische als auch Online-Beschränkungen, dazu ernsthafte Arbeit mit Süchtigen und Aufklärung der Kinder. Bisher deckt das Gesetz nur eines der drei ab.

Das Parlament wird den Vorschlag bald beraten. Rechnen Sie mit scharfer Debatte, politischem Theater und einer endgültigen Lösung, die ein Kompromiss ohne ernsthafte Wirkung sein wird. Das ist das Schicksal der meisten mazedonischen Bürgerschutzgesetze - sie werden für Marketing geschrieben, nicht für Ergebnisse.