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Ljubčo Georgievski: „Mazedonisch” war schon immer Teil der bulgarischen historischen Literatur - die Bulgaren haben einen strategischen Fehler gemacht

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Die bulgarische Ministerin Čamova benutzte in einer Erklärung die Formulierung „nordmazedonisch”, und Skopje reagierte sofort. Ljubčo Georgievski, Vorsitzender der VMRO-NP und ehemaliger Ministerpräsident, kommentierte das Thema auf seine Weise - mit einem Argument, das viele nicht erwartet haben dürften.

Laut Georgievski sind die Begriffe „Mazedonier” und „Mazedonisch” seit jeher dauerhaft in der bulgarischen historischen Literatur präsent. Das ist keine politische These - es ist ein empirischer Befund für jeden, der sich mit der bulgarischen Historiografie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beschäftigt hat. Selbst in Momenten, in denen bulgarische Institutionen mazedonische Bestrebungen offiziell ablehnten, lebte die Terminologie in der Literatur als Realität weiter, nicht als Erfindung.

Den Gebrauch von „nordmazedonisch” qualifiziert Georgievski als „logischen Patzer”, der oft von ausländischen Diplomaten gemacht werde, weniger als bewusste Provokation. Dennoch betont er, dass solche Formulierungen Gewicht haben, weil sie nach zwei Amtszeiten bulgarischer Vetos gegen die mazedonische EU-Integration kommen. Der Aufschrei in den sozialen Netzwerken gegen die Formulierung ist die erwartbare Fortsetzung des alten Schmerzes - die bulgarischen Medien und ein Teil der politischen Klasse kämpfen immer noch mit verlorenen Positionen im Bereich der „mazedonischen Frage”.

Ein interessanter Punkt von Georgievski: Er sagt, Bulgarien habe einen strategischen Fehler begangen, indem es zugelassen habe, dass sich die beiden Staaten öffentlich als internationale Gegner präsentieren. Durch die Linse der internationalen Diplomatie betrachtet - mit Mazedonien als kleinem, für die EU attraktivem Land, und Bulgarien als ambitioniertem regionalem Akteur - hat die unnachgiebige Haltung Bulgariens international keine Punkte gebracht. Sie hat das Bild des großen Nachbarn entstehen lassen, der seine Überlegenheit ausnutzt.

Für den Balkan-Leser sind diese Debatten zum Erschöpfen vertraut. Neu ist der Ton - Georgievski spricht nicht von „bulgarischer Aggression”, sondern von einem „bulgarischen Fehler”. Das ist ein analytischer und nicht reaktiver Ansatz, und unsere Politiker nutzen ihn selten. Wenn sie sich einmal in den Verteidigungsmodus eingelebt haben, ist es schwer, in eine Diskussion zu wechseln, die Komplexität anerkennt.

Wie viel diese rhetorischen Verschiebungen tatsächlich bringen werden, ist eine andere Frage. Die EU-Integration hängt weiterhin von Verfassungsänderungen, Minderheitenrechten und Grenzstreitigkeiten ab. Historisch-literarische Debatten sind wichtig für die Identität, aber echter Fortschritt findet in Rechtsdokumenten statt, nicht in Tweets.