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Albanische Studenten an der Steinbrücke: Forderung nach dem Anwaltsexamen auf Albanisch, zwischen Vorwürfen der Instrumentalisierung

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Auf der Steinbrücke in Skopje wird am Sonntagnachmittag erneut eine Szene aufkommen, die das politische Establishment in Mazedonien nicht ignorieren kann. Albanische Studenten gehen zu einem zweiten Massenprotest auf die Straße - mit der Forderung, das Anwaltsexamen auf Albanisch ablegen zu dürfen. Die Forderung ist schlicht, das Thema 25 Jahre alt, und die Antwort - weiterhin verschoben.

Der erste Protest war vor einem Monat vor dem Justizministerium und vor der Regierung. Damals waren die Forderungen dieselben. Damals wie heute kann niemand die Grundlage bestreiten - die Verfassung und das Sprachengesetz sehen die Möglichkeit der offiziellen Verwendung des Albanischen in Gerichtsverfahren vor. Aber beim Anwaltsexamen, der Prüfung, die über die Fähigkeit entscheidet, als Anwalt oder Richter zu arbeiten - funktioniert diese Regel in der Praxis nicht. Sie hat nie funktioniert.

Premier Hristijan Mickoski hat bestätigt, dass die Regierung Gesetzesänderungen vorbereitet, die das Ablegen auf Albanisch erlauben. Er rief zu Geduld auf. Wenn ein Politiker bei solchen Fragen zu Geduld aufruft, bedeutet das meistens, dass die Gesetzesänderung in ein Memorandum, eine Arbeitsgruppe und dann in die Ewigkeit der Vertagung wandert. Die Studierenden wollen das nicht akzeptieren - deshalb der zweite Protest.

Unterstützung kam von allen Seiten. Enver Hoxhaj, früherer Außenminister des Kosovo, sagte: „Die Albaner in Nordmazedonien sind staatsbildend, und die Stimme der Studenten muss gehört werden". Përparim Rama, Bürgermeister von Pristina, rief alle Albaner zur Einheit auf. Bujar Osmani von der DUI sprach vom offiziellen Status der Sprache. Künstler und Intellektuelle aus Albanien und aus der Diaspora schlossen sich an.

Die Opposition VLEN behauptet, der Protest sei instrumentalisiert - die Kinder von DUI-Funktionären protestierten gegen ihre eigenen Eltern, die in 22 Jahren an der Macht das Problem nicht gelöst haben. Das ist politische Rhetorik mit einem Punkt - die DUI hatte tatsächlich Einfluss, und die Frage war wirklich nicht gelöst. Aber das heißt nicht, dass die aktuelle Forderung nicht legitim ist. Und es macht den Fall komplizierter.

Für den Balkan testet das etwas Größeres als Sprache. Es testet, ob ein kleiner, formell multiethnischer Staat in seinen Schlüsselinstitutionen mit mehreren Amtssprachen funktionieren kann. In der Schweiz funktioniert es, in Belgien auf eigene Weise. In Mazedonien - wenn das Anwaltsexamen endlich auf Albanisch abgelegt wird, ist das der erste große Schritt nach vorn. Bis dahin ist jede aufgeschobene Einigung ein Zeichen, dass die realen Fragen auf der Straße bleiben.