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Sao Bento in Porto: 20.000 handbemalte Kacheln, Klosterruinen und ein Bahnhof, den Touristen zuerst besichtigen

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Es gibt Bahnhoefe, an denen Menschen nur einen Zug nehmen. Und es gibt einen Ort in Porto, Portugal, wo Touristen zuerst kommen, um ihn anzuschauen, und erst danach vielleicht reisen. Sao Bento - 1916 eroeffnet, auf den Ruinen eines Benediktinerklosters errichtet, mit einem Inneren, das Besucher daran erinnert, dass in Portugal niemand Dinge nur aus Funktion baute. Was Sie sehen, ist eine historische Leinwand aus 20.000 handbemalten Kacheln.

Der Kuenstler Jorge Colaco bemalte sie zwischen 1905 und 1906. Weisse und blaue Azulejos - der klassische portugiesische Keramikstil, auch aus Lissabon bekannt. In Sao Bento erstrecken sie sich allerdings auf 551 Quadratmetern. Die Hochzeit von Koenig Joao I. mit Philippa von Lancaster 1378. Die Eroberung von Ceuta 1415. Das Turnier von Arcos de Valdevez. Die Weinlese am Ufer des Douro. Stilles laendliches Portugal, eingebaut in die Kacheln eines Bahnhofs.

Der Architekt Jose Marques da Silva entwarf das Gebaeude so, dass die Wartehalle eher einer Kirche als einem Bahnhof gleicht. Hohes Gewoelbe, Marmor, Licht von oben. Eine lokale Legende sagt, dass in den ruhigen Stunden ein Geist durch die Korridore geht - die letzte Aebtissin des Klosters, gestorben 1892. Vielleicht ist das nur eine Geschichte fuer Touristen. Vielleicht auch nicht. Wenn ein Bahnhof auf einem Kloster steht, gelten Geister nie als unmoeglich.

Der erste Zug erreichte Porto am 7. November 1896 - zwanzig Jahre vor der offiziellen Eroeffnung des Bahnhofs. Das sagt etwas ueber portugiesische Arbeit aus. Niemand hatte es eilig. Zuerst liessen sie den Zug fahren, dann bauten sie langsam den Bahnhof so, wie er aussehen sollte. Ein Dekret aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, unterzeichnet von Joaquim Antonio de Aguiar, loeste den Klosterorden auf - damals uebernahm der Staat das Land. Ein halbes Jahrhundert spaeter rollt ein Zug durch den Ort, wo Nonnen einst beteten.

Wer einen Trip nach Porto plant, fuer den ist Sao Bento der natuerliche Startpunkt. In Gehweite liegen die Kathedrale, der Clerigos-Turm, die Karmeliterkirche und die Buchhandlung Lello - die J. K. Rowling angeblich beim Schreiben von Hogwarts vor Augen hatte. Ein Fehler waere, ohne zehn Minuten Pause durch den Bahnhof zu gehen. Mit oder ohne Handy - egal. Wichtig ist zu sehen, wie es aussieht, wenn ein Land entschieden hat, dass selbst ein Bahnhof Kunst verdient.

Auf dem Balkan haben wir Bahnhoefe aus derselben Zeit. Der alte Bahnhof von Skopje - abgerissen. Belgrad - voll Geruest und Plakate. Sarajevo - funktional, aber ohne Seele. Sao Bento ist eine Erinnerung daran, dass ein Bahnhof nicht nur eine Bruecke zwischen zwei Wegen sein muss. Er kann ein Ziel sein. Eine Frage der Entscheidung, ob ein Land das wollte oder nicht.