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20. Juni in Skopje: Die Pride-Parade unter dem Slogan „Sollen es alle wissen" - eine Route, die politisch spricht, nicht nur logistisch

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Am 20. Juni 2026 findet in Skopje die Pride-Parade statt. Der Slogan: „Sollen es alle wissen". Treffpunkt - der Brunnen im Stadtpark um 18 Uhr, der Marsch beginnt um 19 Uhr. Die Route ist ehrgeiziger als in den Vorjahren - Ilinden-Boulevard, Roosevelt-Straße, Partizanski-Odredi-Boulevard, VMRO-Boulevard und Dimitrije-Čupovski-Straße, Ende im Park „Žena Borec".

Die Organisatoren sind nicht zurückhaltend. Frühere Paraden waren diskret, mit reduzierter Sichtbarkeit und Polizeipräsenz als Hauptform der „Sicherheitsgarantie". Diesmal führt die Route durch zentrale Boulevards - das ist eine politische Entscheidung, keine logistische. „Wir sind hier und weigern uns, kleiner zu werden, um akzeptiert zu werden" steht klar in der Botschaft der Organisatoren.

Der Kontext arbeitet nicht für sie. Die institutionelle Feindseligkeit gegenüber der LGBTIQ+-Community in Mazedonien wächst jedes Jahr. Rechte Gruppen und bestimmte kirchliche Führer treten offen dagegen auf. Die Polizei „bewacht" jede Parade, was praktisch heißt: rituelle Angriffe werden erwartet. Das ist die Realität, in der der Schritt auf die Straße für viele immer noch ein Risiko ist.

Warum der 20. Juni? Das ist ein traditioneller Termin - nahe am Pride Day, der weltweit am 28. Juni begangen wird. Die Teilnehmerzahl ist immer eine andere Geschichte - in den letzten Jahren bewegte sie sich zwischen 200 und 500 Menschen, mit ein paar tausend Zuschauern entlang der Strecke. Für eine Stadt mit 600.000 Einwohnern ist das keine Massenveranstaltung - aber darum geht es nicht. Wichtig ist, dass es überhaupt stattfindet, in einem Land, in dem Gesetze zum Schutz sexueller Minderheiten seit Jahren auf eine ernsthafte Reform warten.

Die Frage, die für die Leser offen bleibt: Ist Skopje eine Stadt, die sich mit der Zeit entwickelt, oder eine Stadt, die an Tendenzen der Abschottung festhält? Die Parade wird sie zumindest für einen Tag beantworten. Die Zahl der Teilnehmer, die Reaktion der Passanten, die Reaktion der Medien - alles wird ein Barometer sein. Nicht, dass ein Juni-Marsch institutionelle Fragen allein lösen kann. Aber ohne ihn wären die Fragen unsichtbar.