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23.04.2026
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12.04.2026
Die mazedonische politische Rhetorik eskaliert wieder ins klassische Terrain - „nationaler Verrat". VMRO-DPMNE warf der oppositionellen SDSM und ihrem Vorsitzenden Venko Filipče Heuchelei in Bezug auf die Beziehungen zu Bulgarien vor. Anlass: Aussagen der SDSM, in denen die aktuelle Regierung beschuldigt wird, die EU-Annäherung zu blockieren.
„Die Heuchelei von SDSM und Venko Filipče kennt kein Ende", erklärte die Regierungspartei. „Während sie über den europäischen Weg des Landes sprechen, blockieren sie ihn und unterstützen die Gesetze der Reformagenda im Parlament nicht." Ein klassischer PR-Schlag - statt einer Debatte über politische Unterschiede dreht sich die Diskussion um Motive.
Aus VMRO-DPMNE kam auch der symbolische Schlag: „SDSM und Filipče schmeicheln sich bei Bulgarien ein und senden das Signal, dass sie zu einem neuen nationalen Verrat bereit sind." Das Wort „Verrat" in der mazedonischen politischen Sprache ist keine Rhetorik - es ist eine Waffe. Politiker benutzen es, um die Opposition zu delegitimieren, nicht um eine Debatte zu eröffnen.
Der Kontext ist klar. Bulgarien blockiert weiterhin Mazedoniens EU-Weg über Identitätsfragen - Sprache, Geschichte, Nationalität. VMRO-DPMNE kritisiert jeden, der mit Sofia verhandeln will, als „Verräter der Interessen". Zugleich muss die Regierung selbst mit Bulgarien verhandeln, wenn sie das EU-Kapitel öffnen will. Paradox: Wer „Verrat" schreit, ist derselbe, der diese Verhandlung mit Bulgarien führen müsste.
SDSM wiederum besteht darauf, eine rhetorische Spitze für reale Politik zu nutzen. „Solange Filipče nicht gehört hat, dass Bulgarien die mazedonische Identität verneint - trotz zahlreicher Aussagen bulgarischer Offizieller, die diese Identität offen verneinen, trotz Goce Delchev, trotz bulgarischer Forderungen nach Änderungen der Schulbücher und trotz des Streits um die Sprache - kehren wir zur alten Frage zurück: mit wem reden wir?" Eine paradigmatische Antwort, der die Logik fehlt.
Für den Bürger ist die Diskussion alt und abgenutzt. Mazedonien ist seit über zwei Jahrzehnten im EU-Prozess. Jede Regierung hat ihre Gründe zu behaupten, die vorige habe den Prozess „verraten". Und jede Regierung muss, sobald sie an der Macht ist, unter den gleichen Bedingungen verhandeln. Die Frage für den Leser ist nicht „wer ist der Verräter", sondern - hat das politische Vokabular der mazedonischen Politik Kapazität für etwas über „Verrat" hinaus? Bislang sieht es nicht so aus.
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