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Vierzig Jahre in einer Branche, die sich alle sechs Monate selbst absagt

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Vierzig Jahre in einer Branche, die sich alle sechs Monate selbst absagt

Vierzig Jahre in einem Geschäft, das davon lebt, alle sechs Monate zu erklären, alles aus den vorangegangenen sechs Monaten sei veraltet. Hannibal Laguna zeigte seine Schau in der Kristallgalerie des Cibeles-Palasts auf der Madrider Modewoche, und die Kollektion heißt LUMINAZ - Frühjahr/Sommer 2027.

Was er sagt, ist interessanter als das, was er zeigt: Eleganz versteht keine vergänglichen Trends. Von jedem anderen Designer klänge dieser Satz wie eine Ausrede dafür, sich nicht zu verändern. Von einem Mann, der gerade als nationaler Designer der Madrider Modewoche ausgezeichnet wurde, klingt er wie eine These.

Die Kollektion arbeitet mit Materialien, die das Licht einfangen und in goldenen Reflexen zurückgeben. Florale Motive in zwei Extremen - winzig und übergroß. Stickerei mit Details, Schmuckstücke, Perlen. Architektonische Linien gegen fließende Stoffe. Schichten aus Transparenz.

All das lässt sich in eine Sprache übersetzen, die ein Leser auf dem Balkan sofort versteht: Das sind Kleider, die von Hand gemacht werden und Stunden verlangen. Sie werden nicht produziert, sie werden gearbeitet. Und darin liegt der Unterschied, den die gesamte Modebranche mit dem Wort „Luxus“ verwischt - Luxus heißt heute meist ein teures Logo auf Massenware, und solche Ateliers werden gerade deshalb seltener, weil niemand mehr die Stunden bezahlt.

Die Madrider Modewoche zeigt in dieser Saison auch Agatha Ruiz de la Prada mit einer Kollektion in Farben, Juan Vidal mit sportlicher Inspiration und die kolumbianische Marke Agua by Agua Bendita als Gewinnerin des Preises für internationale Designer, die Stickereien mit Blumen aus Medellín mitbrachte. Verschiedene Sprachen, derselbe Punkt - eine sofort erkennbare Handschrift.

Die Frage, die eine Schau aus vierzig Jahren Werk hinterlässt, lautet nicht, ob die Kleider sich verkaufen. Sie lautet, ob sie in zwanzig Jahren noch jemand herstellen kann. Denn ein Trend ist in einer Woche kopiert, während Stickerei ein Handwerk verlangt, das man über Jahre lernt - und niemand bezahlt diese Lernjahre.