Skip to content

850 Meter, die drei Jahrzehnte warteten: Der Boulevard „Boris Trajkovski” bekommt Asphalt - und das eigentliche Hindernis waren weder Geld noch Maschinen

1 Min. Lesezeit
Teilen
850 Meter, die drei Jahrzehnte warteten: Der Boulevard „Boris Trajkovski” bekommt Asphalt - und das eigentliche Hindernis waren weder Geld noch Maschinen

Achthundertfünfzig Meter. So lang ist der Abschnitt vom Umspannwerk in Pintija bis zum Kreisverkehr in Dračevo, der jahrelang eines der größten Nadelöhre der südlichen Einfahrt nach Skopje war.

Dieser Tage kommt endlich Asphalt darauf. Skopjes Bürgermeister Orce Gjorgjievski verkündete es mit einem Satz, den man auseinandernehmen sollte: „Nach drei Jahrzehnten leerer Versprechen haben wir in kaum mehr als drei Monaten die Probleme gelöst, die den Bau des Boulevards ‚Boris Trajkovski' blockierten und täglich für mehr als 100.000 Bürger zur Tortur wurden."

Was tatsächlich fertig ist

Nach Angaben der Stadt Skopje ist die Trasse vollständig freigeräumt, eine neue Regenwasserkanalisation gebaut, und auf einer Seite ist der Unterbau der Fahrbahn verdichtet. Der nächste Schritt ist die Asphaltierung. Das Projekt sieht vier Fahrspuren sowie einen Geh- und Radweg vor.

Parallel begann die Sanierung der Hauptbrücke über die Markova Reka in Dračevo.

Das ist konkreter Fortschritt und es gibt keinen Grund, ihn kleinzureden. Der Boulevard ist eine der Hauptverbindungen zwischen Kisela Voda, Pintija und Dračevo, und seine unvollendete Verbreiterung sorgte jahrelang für Staus an einer der meistbelasteten Stadteinfahrten.

Wo die eigentliche Geschichte liegt - und nicht in diesen drei Monaten

Eines der Hauptprobleme, die die Umsetzung blockierten, war die unvollendete Enteignung von Grundstücken entlang der Trasse. Im Februar teilte die Stadt mit, mit Eigentümern und Gewerbetreibenden sei eine Einigung erzielt worden. Im Mai begann der Durchstich des Abschnitts und die Verlegung von rund 610 Metern Regenwasserkanalisation.

Was also drei Jahrzehnte kostete, waren weder Maschinen noch Asphalt noch Geld. Es war eine Einigung mit den Grundeigentümern.

Das ist ein Eingeständnis, das keine Mitteilung so formuliert, das sich aber direkt aus der Chronologie ergibt: Der Abschnitt lag jahrzehntelang brach, weil niemand die Enteignung abschloss. Als sie abgeschlossen war, vergingen von der Einigung im Februar bis zum Asphalt im August sechs Monate.

„Wir haben es versprochen und setzen es um" - und danach?

Der Bürgermeister beendete den Beitrag mit diesem Satz, was vor Kommunalwahlen normale politische Sprache ist. Das ist in Ordnung - man darf verkünden, was in der eigenen Amtszeit fertig wurde.

Aber „demnächst beginnen wir mit der ersten Asphaltschicht" ist eine wichtige Formulierung. Erste Schicht. Der Unterbau ist auf einer Seite verdichtet. Das ist also nicht das Ende des Baus, sondern der Beginn seiner letzten Phase - und genau in dieser Phase bleiben Skopjer Projekte historisch gern über den Winter stehen.

Hunderttausend Menschen nutzen diese Strecke täglich. Sie werden das Projekt nicht nach Fotos vom Asphaltieren beurteilen, sondern danach, ob sie im November auf vier Spuren fahren oder auf einer Asphaltschicht, die auf den Frühling wartet.