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Tausend Seen und eine Rauchsauna: Was das glücklichste Land der Welt wirklich verkauft

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Tausend Seen und eine Rauchsauna: Was das glücklichste Land der Welt wirklich verkauft

Finnland trägt erneut den Titel des glücklichsten Landes der Welt, und der Balkan reagiert auf jede solche Liste gleich: schön, aber die haben Geld. Nur schließt sich die Rechnung, wenn man betrachtet, woraus ein finnischer Sommer besteht, nicht mit Geld. Sie schließt sich mit Wasser, Holz und der Entscheidung, sich nicht zu beeilen.

Die Region der Tausend Seen sieht man aus der Luft vor der Landung in Kuopio, und schon von dort ist kaum auszumachen, wo das Land endet und das Wasser beginnt. Der Saimaa-See, Finnlands größter, erstreckt sich über 4.400 Quadratkilometer und ist ein Puzzle aus Inseln, Wäldern und Kanälen, in dem ein See ohne Ankündigung in den nächsten übergeht. Der lokale Ausdruck dafür, wie man sich in dieser Kulisse verhält, lautet „chill like a Finn".

Das Ritual ist so simpel, dass es wie ein Scherz klingt: aufwachen, im See baden, gut essen, durch den Wald gehen, Sauna, wieder in den See, schlafen. Und von vorn. Kein Schritt verlangt eine Reservierung, eine App oder ein Ticket.

Erste Station ist Jätkänkämppä, eine traditionelle Rauchsauna in Kuopio - einer Kleinstadt auf einer Halbinsel, die in den Kallavesi-See hineinragt. Das ist keine beliebige Sauna: Sie steckt in einer alten Holzfällerunterkunft, die ihre starken Jahre in den vierziger Jahren hatte, und die Atmosphäre von damals ist nicht weggewischt. Jeden Nachmittag zeigt einer der letzten Holzfäller des Ortes einem kleinen, aber aufmerksamen Publikum, wie man einst Baumstämme über das Wasser beförderte. Mit Akkordeonmusik statt Videopräsentation.

Innenraum einer traditionellen finnischen Rauchsauna am Saimaa-See

Der Ablauf drinnen kommt ohne Philosophie aus: Badeanzug, Dusche, dann Sitzen auf einer Holzbank bei einer Temperatur, auf die jede Pore binnen zwei Sekunden reagiert. Am schnellsten begreift man aber, dass Saunieren ein sozialer Akt ist und keine Spa-Behandlung - manche sind zum Ausruhen da, andere nutzen den Raum für Gespräche mit Freunden und Verwandten. Sagt der Körper genug, nimmt man ein Handtuch und geht den Holzsteg hinunter zum See. Das Wasser ist nach unseren Maßstäben eisig. Nach Maßstab des Körpers: Erleichterung.

Der Rest von Kuopio besteht aus dem Markt mit Waldbeeren und Kalakukko (einem Roggenteiglaib, gefüllt mit Fisch und Speck, einem der kulinarischen Symbole der Region) und dem Hafen mit einem 120 Jahre alten Dampfschiff, das zweistündige Routen zwischen den privaten Inselchen fährt. Vor der Abreise: die Wege des Erholungsgebiets Puijo mit 200 Hektar Wald und der Aufstieg auf den Puijo-Turm, wo das Drehrestaurant eine Besonderheit hat: Wie spät es auch wird, das Licht verlässt den Horizont nicht. Das ist die Mitternachtssonne.

Südlich von Kuopio werden die Geschichten konkret. Auf dem Gut Putkisalo Manor, mit dokumentierter Geschichte seit dem sechzehnten Jahrhundert, holt Susanne die Gäste ab - mit Traktor und Anhänger, damit kein Zweifel bleibt, wie der Rest des Tages aussehen wird. Susanne stammt aus Helsinki, zog auf den Familienhof ihres Mannes und öffnet nun dessen Holzhütten zur Vermietung. Das Abendessen findet an einem Tisch statt, mit Lamm als Hauptgang und einem Menü, das damit beginnt, woher jede Zutat kommt.

Den körperlichen Teil übernimmt das Kanu. Vom Hafen Harjun Portti starten Wassertouren nach Kruunupuisto - vierzig Minuten Paddeln durch Stille, vorbei an grüner Landschaft, unterbrochen nur von einer gelegentlichen Holzhütte oder einem einsamen Steg. Am Ende Waffeln mit hausgemachter Marmelade und Kaffee, eine größere Belohnung als jede Medaille. Für die ruhigere Variante gibt es Punkaharju, einen schmalen, von Gletschern geformten Landrücken, seit dem neunzehnten Jahrhundert geschützt, wo die Yogastunde zwischen Kiefern und Birken stattfindet.

Der unerwartetste Teil ist Mikkeli. Hier wurde Saimaa zum UNESCO-Global-Geopark erklärt und ist buchstäblich ein offenes Buch der geologischen Geschichte Finnlands. Mit dem Schnellboot geht es von der Insel Rokansaari zu den historischen Kanälen Kukonharju und Kaihkaa, mit Halt vor den Felsen von Astuvansalmi - dort liegt die bedeutendste Sammlung von Felsmalereien Nordeuropas. Von Adrenalin zu Stille in zehn Sekunden.

Die Küche schließt die Geschichte. Paula Okkola öffnet ihr Haus für jeden, der auch nur ein wenig Neugier auf die finnische Lebensweise hat, und gemeinsam wird eine traditionelle Blaubeertorte gebacken. Ihr Zuhause liegt auf einer Insel mit 36 Einwohnern, erreichbar nur per Fähre. Weiter südlich, im Gut Tertti Manor, bietet das Buffet über 50 Gerichte aus lokalen Zutaten, in einem eleganten Familienanwesen aus dem neunzehnten Jahrhundert.

Was also verkauft Finnland wirklich? Keinen Luxus - obwohl die letzte Station, das Saimaanranta Resort, eine Luxushütte mit privater Sauna und Glasfassaden über dem Saimaa ist. Es verkauft Raum, in dem man sich nicht beweisen muss, und Wasser, in das man steigen kann, ohne eine Liege zu bezahlen. Ist das bei uns, mit Ohrid, Prespa, Dojran und Matka, etwas, das wir faktisch nicht haben - oder etwas, das wir haben und uns nie die Mühe gemacht haben, es Lebensweise zu nennen?