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Alle Raketen abgefangen, kein einziges Opfer: Warum hat Iran sie dann auf die US-Basis in Jordanien abgefeuert?

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Alle Raketen abgefangen, kein einziges Opfer: Warum hat Iran sie dann auf die US-Basis in Jordanien abgefeuert?

Die Waffenruhe hielt genau so lange, wie ein Versprechen in einer Kriegskrise hält - ein paar Tage. Iran feuerte mehrere ballistische Raketen auf den US-Luftwaffenstützpunkt „Muwaffaq al-Salti” in Jordanien; das US-Zentralkommando teilte mit, alle Geschosse seien abgefangen worden, ohne Tote und ohne Sachschaden.

Laut Mitteilung feuerten Kräfte des Korps der Islamischen Revolutionsgarden die Raketen ab, und zwar direkt von iranischem Territorium. „Versuch eines Überraschungsangriffs auf im Nahen Osten stationierte US-Kräfte”, lautet die offizielle Formulierung. Die Basis bei Al Azraq, rund hundert Kilometer östlich von Amman, beherbergt amerikanische Kampfjets, Hubschrauber, Drohnen und Logistikeinheiten.

Lauter als die Raketen spricht hier das Timing. Es ist der erste iranische Angriff mit ballistischen Raketen auf eine US-Basis, seit Donald Trump am Freitag die Angriffe auf Iran gestoppt hatte, um Raum für Verhandlungen zu lassen. Und er kam nur Stunden, nachdem Trump im Weißen Haus Benjamin Netanjahu getroffen hatte - Hauptthema: Iran.

Trump hatte zuvor erklärt, Washington führe „sehr ernsthafte Gespräche” mit Teheran, warnte aber, das Militär werde die harten Angriffe fortsetzen, falls die Verhandlungen nicht schnell Ergebnisse brächten. Beide Seiten sagen also gleichzeitig, sie verhandelten - und halten den Finger am Abzug. Welches der beiden Signale ist das echte?

Die Zahlen zerlegen das Bild der „Ruhepause” noch schneller. Seit Anfang Juli hat Iran neunmal Ziele in Jordanien mit Raketen und Drohnen angegriffen. Bei einem früheren Schlag wurde eine Einrichtung mit amerikanischen Soldaten getroffen, es gab Tote und Verletzte. In jordanischen Militäreinrichtungen sind derzeit rund 4.000 US-Soldaten stationiert.

Zeitgleich trafen amerikanische und saudische Kampfjets Waffenlager und Logistikstellungen proiranischer Gruppen im Osten des Irak. Dem seien, so das US-Kommando, in 72 Stunden mehr als 30 Drohnenangriffe auf Befehl der iranischen Revolutionsgarde vorausgegangen. Die Abrechnung läuft, während die Diplomatie offiziell am Tisch sitzt.

Eine unbequeme Rechnung bleibt. Wenn alle Raketen abgefangen wurden und es kein einziges Opfer gibt - warum wurden sie überhaupt abgefeuert? Die Antwort ist wohl nicht militärisch, sondern verhandlungstaktisch: ein Schlag, der niemanden tötet, aber zeigt, dass der Abzug noch funktioniert. Der Balkan kennt diese Szene auswendig - man verhandelt, während geschossen wird, und hinterher erklärt jemand, das alles sei „Druck für den Frieden” gewesen.