Skip to content

Eine Bombe in Monaco zielt auf einen ukrainischen Oligarchen: Geld, Schulden und der Schatten des SBU im reichsten Winkel des Mittelmeers

1 Min. Lesezeit
Teilen
Eine Bombe in Monaco zielt auf einen ukrainischen Oligarchen: Geld, Schulden und der Schatten des SBU im reichsten Winkel des Mittelmeers

Eine Explosion in einem Wohngebäude in Monaco - einem der sichersten und reichsten Orte der Welt - hinterließ drei Verletzte und weit mehr Fragen als Antworten. Zu den Verletzten zählen der ukrainische Oligarch Wadim Jermolajew (58), seine Partnerin Anna Nasobina (46) und ihr 13-jähriger Sohn. Beide Erwachsenen liegen auf der Intensivstation, und der Täter ist laut Ermittlung geflohen.

Die französischen Ermittler behandeln den Fall sofort als gezielten Anschlag, nicht als Unfall. Und hier hört die Geschichte auf, von Monaco zu handeln, und wird zu etwas viel Größerem - einer Welt aus Geld, Schulden und Abrechnungen, die vom Osten an die teuersten Adressen des Mittelmeers wandert. Wenn eine Bombe in einem Gebäude in Monaco hochgeht, ist das kein Zufall; es ist eine Botschaft.

Genau so lesen manche Ermittler den Anschlag - als Warnung, nicht als Mordversuch. Polizeiquellen verbinden den Fall mit mutmaßlicher Beteiligung an Callcenter-Betrug im Wert von rund 100 Millionen Euro, betrieben aus Dnipro in der Ukraine. Ukrainische Medien wiederum verweisen auf Revierkämpfe und unbezahlte Schulden bei Figuren der organisierten Kriminalität.

Die heikelste Spur der Ermittlung ist die, die französische Medien vorsichtig erwähnen: eine mögliche Verwicklung des ukrainischen Geheimdienstes (SBU). Ob es sich um eine Abrechnung zwischen kriminellen Gruppen handelt oder um etwas mit staatlicher Unterschrift dahinter, behauptet vorerst niemand mit Sicherheit. Aber schon die Frage zu stellen zeigt, wie dünn die Grenze zwischen privatem Geschäft und staatlichen Interessen in der kriegführenden Ukraine ist.

Jermolajews Frau Anna sagte kurz, die Familie stehe unter großem Stress und kooperiere aktiv mit der Ermittlung und den Strafverfolgungsbehörden. Und die Geschichte bleibt offen und unangenehm. Monaco verkauft sich seit Jahrzehnten als Ort, an dem Geld absolute Sicherheit kauft - ein Refugium, in das sich die Reichen vor der Welt zurückziehen. Diese Explosion zeigte, dass bestimmte Schulden leichter über Grenzen reisen als jeder Personenschutz. Die offen gebliebene Frage ist eine bekannte: Wer wird dafür geradestehen, und wird überhaupt jemand so weit kommen?