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Iran begräbt Chamenei mit Millionen auf der Straße, während der neue oberste Führer sich versteckt

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Iran begräbt Chamenei mit Millionen auf der Straße, während der neue oberste Führer sich versteckt

Irans mächtigsten Mann gab es seit Monaten nicht auf der öffentlichen Bühne. Nun zeigt Teheran ihn - im Sarg, in die Flagge gehüllt, zusammen mit einem Teil der Familie.

Vom 4. bis 9. Juli hält Iran eine mehrtägige Trauerprozession für den obersten Führer Ali Chamenei und mehrere Mitglieder seiner Familie ab, die laut offizieller Version Ende Februar in der ersten Phase des Krieges zwischen Iran, den USA und Israel starben. Die Särge sind in der großen Moschee „Imam Chomeini” in Teheran aufgebahrt, in iranische Flaggen gehüllt, und die Behörden erwarten Millionen Menschen auf den Straßen. Unter den Toten sind neben Chamenei selbst sein Schwiegersohn, die älteste Tochter, die Schwiegertochter und ein vierzehn Monate altes Enkelkind - ein Detail, das das Regime nutzt, um das Bild einer vom Feind getroffenen Familie zu verstärken.

Doch hinter der grandiosen Inszenierung verbirgt sich eine Frage, die Teheran nicht laut aussprechen will: Wer regiert jetzt wirklich? Offiziell ist der neue oberste Führer Modschtaba Chamenei, der Sohn des verstorbenen Führers. Das Problem ist, dass er sich seit dem Angriff vor der Öffentlichkeit versteckt und bislang nicht einmal bei der privaten Zeremonie für seine Frau erschien. Sein mögliches Auftreten bei der Beerdigung würde ihm Legitimität verleihen; seine Abwesenheit dagegen nährt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und darüber, ob er überhaupt die Fäden in der Hand hält.

Die Beerdigung ist auch ein diplomatisches Schauspiel. Erwartet werden Vertreter aus rund 100 Ländern - darunter der pakistanische Premier, chinesische und indische Delegationen, sogar Vertreter der Taliban-Regierung. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran sind für die Dauer der Trauer ausgesetzt und werden danach fortgesetzt. Mit anderen Worten: Während Millionen trauern, wartet die Diplomatie mit der Uhr in der Hand auf dem Flur.

Für den Balkan ist das nicht nur ein fernes nahöstliches Drama. Wenn ein Regime den Tod seines Führers in eine Massendemonstration von Macht und Einheit verwandelt, ist das eine alte und vertraute Methode - Trauer als politischer Treibstoff. Die Frage ist, ob Iran in eine unberechenbarere Phase eintritt, nun da der Mann, der jahrzehntelang gleichbedeutend mit dem Regime war, nicht mehr da ist und sein Nachfolger sich versteckt. Und wenn sich der Mächtigste in einem Staat versteckt, ist das selten ein Zeichen von Stärke.