Skip to content

Sohn der norwegischen Kronprinzessin wegen Vergewaltigung verurteilt, könnte aber vor dem 13. Juli freikommen

1 Min. Lesezeit
Teilen
Sohn der norwegischen Kronprinzessin wegen Vergewaltigung verurteilt, könnte aber vor dem 13. Juli freikommen

Die Geschichte, die das norwegische Königshaus erschütterte, nimmt eine unerwartete Wendung. Marius Borg, der 29-jährige Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit - geboren vor ihrer Ehe mit Prinz Haakon - wurde am 15. Juni 2026 zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sprach ihn zweier Vergewaltigungen schuldig und in zwei weiteren Anklagepunkten frei, von insgesamt über 30 Punkten der Anklageschrift. Und hier beginnt der Teil, den kaum jemand erwartet hatte.

Die Staatsanwaltschaft beschloss, keine Berufung gegen die beiden Freisprüche einzulegen, obwohl sie das zuvor erwogen hatte. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir vor dem Berufungsgericht keine Berufung einlegen werden", teilte die Anklagebehörde mit. Auf dem Papier sieht das wie eine Formalität aus. In der Praxis öffnet es eine Tür, durch die der Verurteilte in die Freiheit gehen könnte.

Der Grund liegt im norwegischen Prozessrecht. Nach dem Gesetz kann eine verurteilte Person höchstens vier Wochen nach der Urteilsverkündung in Haft bleiben - es sei denn, das Gericht verlängert die Haft. Borgs derzeitige Haft endet am 13. Juli 2026. Beantragt die Staatsanwaltschaft keine Verlängerung und erlässt das Gericht keinen neuen Beschluss, kommt er einfach frei. Das Urteil sieht auch eine elektronische Überwachung zu Hause als langfristige Alternative zur Haftstrafe vor.

Seine Anwälte machen keinen Hehl daraus, wohin das führt. Ellen Holager Andenæs forderte mehrfach seine Freilassung, und ihre Kollegin Renee Ibsen bestätigte, dass „Marius natürlich auf Freiheit vor dem 13. Juli hofft". Mit anderen Worten: Ein wegen zweier Vergewaltigungen verurteilter Mann könnte seine Strafe zu Hause absitzen, mit Fußfessel.

Und hier ist die Frage, die jeder auf dem Balkan gut kennt: Gilt das Gesetz für alle gleich, oder hängt es davon ab, wessen Nachname hinter dem Angeklagten steht? Norwegen rühmt sich seit Jahrzehnten eines Systems, in dem Status vor der Justiz keinen Rabatt kauft. Dieser Fall, mit dem Sohn einer künftigen Königin in der Hauptrolle, wird genau der Test, ob diese Geschichte standhält, wenn der Druck von ganz oben kommt.