Schwarzer Rauch über Skopje: Lager für Farben und Lacke im alten Stahlwerk brannte
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Der Zug hatte Verspätung. Acht Menschen standen auf dem Bahnsteig und warteten - auf den letzten Vorortzug, mit dem die Leute aus Browary nach der Schicht nach Hause fahren. Die Rakete kam zuerst. Keiner von ihnen stieg noch irgendwo ein.
Es geschah am Bahnhof Kwitnewe, am Rand von Browary östlich von Kyjiw, in einer der heftigsten Nächte seit Kriegsbeginn in diesem Teil der Region Kyjiw. Eine russische Rakete traf eine Baumreihe direkt hinter dem Bahnhof, die Druckwelle erfasste den Bahnsteig. Am Morgen lagen die Toten noch neben den Schienen - und wenige Meter weiter reparierten Bahnarbeiter bereits das beschädigte Gleis. Dieses Bild erzählt die ganze Geschichte dieses Krieges: Tod und Routine nebeneinander, ohne Pause dazwischen.
Die Bilanz der Nacht: mindestens 17 Tote in Kyjiw und Umgebung, dazu Dutzende Verletzte. Nach Mitternacht schickte Russland 24 ballistische und vier Hyperschallraketen auf die Stadt und die Region, viele davon auf Lagerhallen in Browary. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Ziel seien Lager ziviler Unternehmen gewesen.
Die Nacht, in der sogar die Socken davonflogen
„Das war die schrecklichste Nacht meines Lebens”, erzählte die 48-jährige Anastasija. Eine Drohne traf das Haus, in dem ihre Mutter und ihre taube und blinde Großmutter waren. Die zwei oberen Stockwerke sind zerstört - verletzt wurde keine von beiden. Nachbarn und Rettungskräfte halfen ihnen aus dem brennenden Haus.
„Wissen Sie, wie es heißt, die Rakete, die für dich bestimmt ist, hörst du nie? Genau so war es”, sagt sie. Die Druckwelle einer Explosion war so stark, dass ihr, wie sie beschreibt, „sogar die Socken davonflogen”. „Ich habe mich immer gefragt, warum Menschen, die eine Explosion überleben, ihre Schuhe verlieren. Genau das ist passiert.”
Die Direktorin des Onlineshops Rozetka, Iryna Tschetschotkina, teilte mit, ihr Verteilzentrum in Browary sei vollständig zerstört. An jenem Tag wollte sie einen Text zum 21. Geburtstag des Unternehmens schreiben und Kunden und Team danken. Stattdessen, so schrieb sie, verbrachte sie die Nacht damit, ihr Lebenswerk nach dem Einschlag dreier ballistischer Raketen brennen zu sehen.
Die Sirene blieb stumm
Die 44-jährige Erzieherin Oksana Schyrnjak sagt, vor den ersten Explosionen habe es überhaupt keine Luftalarmwarnung gegeben. „Es gab keinen Alarm. Sie lösten ihn nicht aus. Dann folgten drei Explosionen, eine nach der anderen. Aus dem Schlafzimmer sahen wir den Blitz. Ich rannte zu meinem Kind und legte mich darüber.”
Dieses Detail sollte man festhalten, denn es erklärt mehr als alle Erklärungen. Russland greift in den letzten Wochen immer häufiger zu ballistischen Raketen - genau deshalb, weil der ukrainischen Luftabwehr chronisch die Abfangraketen fehlen, die sie stoppen könnten. „Abfangraketen gegen ballistische Raketen hätten die Menschen retten können, die heute gestorben sind”, schrieb Selenskyj. Anders gesagt: Der Unterschied zwischen acht Toten auf einem Bahnsteig und acht Fahrgästen mit Verspätung bemisst sich in gelieferter Ausrüstung.
Oksana hat auch eine Botschaft, und sie bittet nicht um Mitleid: „Es ist schwer für uns, besonders für die mit Kindern. Vergesst uns nur nicht. Helft uns, denn allein halten wir das nicht durch.” Der Balkan kennt diesen Satz auswendig - und weiß, wie schnell die Welt aufhört zuzuhören, sobald ein Krieg nicht mehr neu ist.
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