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Die größte Sängerin dieser Generation heiratete in grauer Spitze: die Hochzeiten, die Spanien als Botschaft las

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Die größte Sängerin dieser Generation heiratete in grauer Spitze: die Hochzeiten, die Spanien als Botschaft las

Es gibt eine Angabe, die spanische Hochzeiten der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts besser erklärt als jede Analyse: Die größte Folkloresängerin dieser Generation heiratete in grauer Spitze. Nicht in Weiß. In Grau.

Lola Flores und Antonio González „El Pescaílla” heirateten am 27. Oktober 1957 im Kloster El Escorial. Das Kleid war midi, aus grauer Spitze, mit einer Mantilla aus demselben Stoff, signiert von Asunción Bastida. Im katholischen Spanien der fünfziger Jahre war das keine ästhetische Entscheidung, sondern eine Aussage.

Der Unterschied zeigt sich sofort bei der nächsten Hochzeit. Carmen Sevilla und Augusto Algueró, 23. Februar 1961, Basilika El Pilar in Saragossa, ein Kleid von Pertegaz: U-Boot-Ausschnitt, französische Ärmel, Handschuhe, eine enorme Schleppe aus Satin und Tüll, ein Diadem mit Diamanten und Saphiren. Klassik nach Vorschrift.

Marisol und Carlos Goyanes kehrten am 16. Mai 1969 zu einer sanfteren Linie zurück - Organza mit erhabenen Blüten, Glockenärmel, geschlossener Ausschnitt und geknöpfte Handschuhe, statt eines Schleiers der mallorquinische Rebosillo. Drei Jahre später heirateten Natalia Figueroa und Raphael in Venedig, in der Kirche San Zaccaria, in einem Kleid aus weißem Piqué mit vollen Punkten und vier Volants - Flamenco auf ein Minimum reduziert, mit einem Strauß gelber Rosen.

Die berühmteste von allen bleibt Rocío Jurado. Am 21. Mai 1976 in Chipiona, mit Pedro Carrasco, erschien sie in einer Meerjungfrau-Silhouette mit handbestickten Rosen an den Manschetten und zwei großen Volants am Saum. Fast zwanzig Jahre später, am 17. Februar 1995, mit José Ortega Cano, wechselte sie an einem Tag viermal die Garderobe - die Zeremonienrobe war eine gerade Silhouette aus Wildseide und französischer Spitze, mit einem Cape aus Organza in Champagnerton und einem Haarnetz im Goya-Stil. Die eine Hochzeit war Schlichtheit, die andere Inszenierung.

Dazwischen steht die Hochzeit, die alle nach Zahlen übertraf. Isabel Pantoja und Paquirri, 30. April 1983 in Sevilla: weißer Satin mit doppeltem Tüll, U-Boot-Ausschnitt, sieben Meter Schleppe und 1.200 Gäste. Das Kleid signierte Lina, und das Diadem wird bis heute zitiert.

Was all diese Hochzeiten gemeinsam haben, ist nicht der Prunk. Es ist, dass jede von ihnen im Moment ihres Stattfindens als Botschaft gelesen wurde - wer mit wem, in welcher Kirche, in wie vielen Metern Stoff. Mazedonische Hochzeiten funktionieren bis heute nach derselben Logik: Jedes Detail wird von jemandem gezählt. Der Unterschied ist nur, dass damals die Magazine zählten und heute jeder mit einem Telefon.