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Der Zeuge, der ihn anzeigte: 100.000 Euro verlangte der Inspektoratsdirektor, damit die Düngerlaster durchkommen

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Der Zeuge, der ihn anzeigte: 100.000 Euro verlangte der Inspektoratsdirektor, damit die Düngerlaster durchkommen

Der Prozess gegen Vase Anakiev wurde fortgesetzt - den früheren Direktor des Staatlichen Agrarinspektorats und stellvertretenden Vorsitzenden der Sozialistischen Partei Mazedoniens, einer Partei der Regierungskoalition. Im zweiten Verhandlungstermin sagte der Mann aus, der ihn angezeigt hat: Metodi Manov, Inhaber einer Firma aus Delčevo.

Seine Aussage ist kurz und unangenehm konkret. Anakiev habe ihn mehrfach unter Druck gesetzt und ihm Sonderkontrollen geschickt. Und am Ende sei über einen Mittelsmann ein Schmiergeld von 100.000 Euro gefordert worden - damit seine Laster mit Kunstdünger durch den Zoll und über die Grenze kommen. So viel kostet ein „Ja“ von einem Mann, dessen Amt es ist, die Vorschriften zu prüfen, nicht sie zu verkaufen.

Anakiev wurde im März festgenommen, in einer Tiefgarage im Zentrum von Skopje. Unter dem Beifahrersitz seines Autos fand die Polizei 50.000 Euro - zuvor markiert. Die Staatsanwaltschaft sagt, das sei die erste Rate gewesen.

Die Verteidigung: Es gab eine Forderung, aber nicht von ihm

Seine Anwälte bauen eine andere Version. Anakiev habe weder Geld verlangt noch Kontakt zu dem geschädigten Unternehmer gehabt - und genau das habe die Verhandlung bestätigt, denn der Unternehmer habe nicht ausgesagt, der Direktor habe persönlich von ihm Schmiergeld verlangt. Die hunderttausend, so die Verteidigung, habe ein Dritter gefordert: ein Spediteur.

Als bezeichnend wertet die Verteidigung außerdem, dass nach der angeblichen Forderung ein Einfuhrverbot für diese Düngerart als Schüttgut über die Grenzübergänge erlassen wurde - eine Entscheidung, die nach ihrer Darstellung bis heute gilt. Die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrer Linie: Es gebe harte Beweise und Telefonmitschnitte, die die Anklage stützen.

Also zwei Versionen. In der einen kassierte das Inspektorat Eintritt in den Markt. In der anderen tat all das ein Spediteur, und 50.000 markierte Euro landeten zufällig unter dem Beifahrersitz des Direktors.

Die Frage, die niemand laut stellt

Selbst wenn das Gericht Anakiev morgen freispricht, bleibt ein Detail, das kein Urteil löscht: Damit dieses Muster funktioniert - Sonderkontrolle, dann eine Nachricht über einen Mittelsmann - braucht es ein System, in dem Kontrolle als Knüppel taugt. Wer hat diesen Hebel geschaffen, und wie viele Firmen haben bisher stillschweigend gezahlt, statt zu tun, was Manov getan hat?

Deshalb darf dieser Fall nicht leise verschwinden. Ein Mann, der anzeigt, ist eine Seltenheit in einem Land, in dem Schmiergeld gezahlt wird, weil es schneller, billiger und sicherer ist als die Anzeige. Wenn am Ende nur er die Sonderkontrollen zurückbekommt, zeigt beim nächsten Mal niemand mehr an.