Skip to content

Der Chatbot liefert dir in vier Sekunden einen Ernährungsplan: Überzeugend heißt nicht richtig, sagen Ernährungsberater

1 Min. Lesezeit
Teilen
Der Chatbot liefert dir in vier Sekunden einen Ernährungsplan: Überzeugend heißt nicht richtig, sagen Ernährungsberater

Du fragst die künstliche Intelligenz, was du essen sollst, sie gibt dir in vier Sekunden einen Plan, der Plan sieht professionell aus, und den nächsten Monat hältst du dich daran. Niemand hat dir gesagt, dass die Antwort überzeugend war und nicht richtig. Das ist der Unterschied, den Ernährungsberater jetzt laut erklären.

Der spanische Ernährungswissenschaftler Aitor Sánchez fasst das Problem in einem Satz: Künstliche Intelligenz kann eine überzeugende Antwort geben, die nicht zwingend die passendste ist. Er ergänzt etwas noch Konkreteres - diese Systeme neigen dazu, zu schmeicheln und einen positiven Blickwinkel zu finden, selbst wenn die Empfehlung keine wissenschaftliche Grundlage hat. Dann irrt es sich und rudert zurück.

Dieses „Zurückrudern“ ist das entscheidende Detail. Liegt der Fehler beim Algorithmus, korrigiert er ihn einfach bei der nächsten Frage. Liegt der Fehler drei Monate in deiner Ernährung, rudert niemand zurück.

Was die künstliche Intelligenz nicht über dich weiß. Sie kennt deine Krankengeschichte nicht. Sie sieht keine Blutwerte. Sie weiß nicht, welches Verhältnis du zum Essen hast, ob restriktive Diäten hinter dir liegen, wie viel Stress du trägst und ob der Plan, den sie dir gibt, überhaupt länger als zwei Wochen durchzuhalten ist. Allergien und Unverträglichkeiten gehen oft gar nicht in die Rechnung ein, und die Informationen können veraltet oder schlicht falsch sein.

Die Ernährungscoachin Clau Gago zieht die Linie an einer klugen Stelle: Das Werkzeug ist nützlich, um Ideen zu ordnen und einen Begriff zu erklären. Das Problem beginnt in dem Moment, in dem diese schnelle Antwort die personalisierte Gesundheitsbetreuung zu ersetzen beginnt.

Spaniens Allgemeiner Rat der Diätassistenten und Ernährungswissenschaftler geht weiter und sagt, von künstlicher Intelligenz erzeugte Ernährungspläne seien beruflicher Betrug, eine solche Anleitung sei bei Gesundheitsfragen weder präzise noch sicher, und das Feld brauche Regulierung.

Bei uns ist die Frage einfacher, weil die Schlange kürzer ist. Bevor es Chatbots gab, brachte den Ernährungsplan der Nachbar, die Tante oder eine Facebook-Gruppe. Jetzt bringt ihn ein Bildschirm, der besser schreibt als sie alle und sicherer klingt als jeder Arzt. Heißt das, er hat recht - oder nur, dass er überzeugender ist?