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Benzin zerstört den amerikanischen Traum: Frührente, Umzug für die Arbeit und Homeoffice-Verhandlung als Überlebensbedingung

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Der Benzinpreis in Amerika ist zu einem politischen Problem geworden, das Menschen zwingt, den Job zu wechseln, früher in Rente zu gehen oder Homeoffice auszuhandeln - nicht als Bonus, sondern als Überlebensbedingung. Nach dem zweitägigen militärischen Schlagabtausch mit Iran zu Jahresbeginn explodierten die Preise: stellenweise 4,52 Dollar pro Gallone (~1,19 Euro pro Liter), an einigen Orten 4,29 Dollar, gegenüber dem im Februar als normal geltenden Durchschnitt von 2,98 Dollar.

Regionalmanager Steven Kaledecker (46), der ein Hotelnetz in Ohio, Indiana und Illinois führt, gibt allein über 1.000 Dollar im Monat für Sprit aus. Der Lohn für diese Rolle ist besser als der vorherige, aber wenn der Sprit seinen Anteil nimmt - verliert er. Der Arbeitgeber weigert sich, die Fahrtkosten zu übernehmen. Die emotionale Last ist real, und er ist nicht allein.

Shaide Fisher (34), MBA, beschränkte die Jobsuche auf Stellen nahe Chicago oder völlig remote. Mark Hernandez gab den Lieferjob für Walmart auf, als die Einnahmen wöchentlich um Hunderte Dollar fielen - jetzt arbeitet er 1,5 Kilometer vom Zuhause entfernt. Paul Banze (68), Schichtleiter in einer Apotheke, sagte seinem Chef: Sinkt der Sprit auf 4 Dollar pro Gallone, bleibt er. Bei 4,29 - beginnt er, die Rente zu planen.

Für eine 68-jährige Rentnerin aus Florida mit Gesundheitsproblemen, die für immer zu Hause bleiben wollte - sie sucht jetzt eine Teilzeitstelle. Monatliche Kosten für Essen, Versicherung, Steuern, Hilfe für erwachsene Kinder sind nicht gedeckt. Die Fahrt zum Arzt - 50 Kilometer pro Richtung - kostet jetzt zwischen 75 und 100 Dollar Sprit. Vor wenigen Monaten - 50 Dollar. Größerer Unterschied als der zwischen „bequemem Leben" und „Überleben".

Die Indeed-Trendchefin Priya Rathod bestätigt: die Jobsuche im 50-Kilometer-Radius ist gestiegen. Im April begrenzten 59,2 Prozent der Bewerber Positionen nach Nähe. Im Februar - 57,8 Prozent. Kein großer Sprung, aber bezeichnend. Der Stanford-Ökonom Nick Bloom meldet: Homeoffice-Tage liegen im Schnitt bei 26,2 Prozent im April, gegenüber 24,6 Prozent zu Jahresbeginn.

Für den Balkan klingt das nicht fremd. Wenn der Spritpreis um 30 Cent steigt, kippt unser ganzes Monatsbudget. Wenn es in Amerika ganze Karrieren zieht, ist die Lehre nicht, dass Amerikaner an billigen Sprit gewöhnt sind. Die Lehre ist, wie leicht der „amerikanische Traum" bricht - Haus, zwei Autos, tiefe Hypothekenschulden - wenn ein geopolitischer Schlag die Säule verrückt. Ein Krieg, ein Nachrichtenzyklus, und Millionen denken neu darüber nach, wie sie zur Arbeit kommen.