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Netanjahu will Ende der 3,8 Milliarden US-Dollar jährlich: Israelischer Premier fordert Aus für das Waffenpaket

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Benjamin Netanjahu verlangt etwas, das in der amerikanischen Politik fast wie Ketzerei klingt: dass die US-Militärfinanzhilfe für Israel beendet wird. Bei CBS „60 Minutes" ließ der Premier keinen Raum für Zweideutigkeit - er will nicht einmal auf den nächsten Kongress warten. „Ich will jetzt anfangen," sagte er.

Die Zahl ist bedeutend. Israel erhält 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr an US-Militärhilfe. Das gesamte US-Engagement für den Zeitraum 2018-2028 beträgt 38 Milliarden Dollar. Das ist eine Finanzinfrastruktur, die das Verhältnis der beiden Länder seit fast 60 Jahren trägt. Und genau das will Netanjahu nun beenden.

Warum? Ein logischer Grund: Der israelische Premier erkennt die politischen Risiken. Nach dem 7. Oktober 2023 und dem Beginn des Gaza-Kriegs ist die Unterstützung für Israel im US-Kongress nicht mehr überparteilich - die Parteien sind gespalten, die Öffentlichkeit noch mehr. Die Demokraten sind fast offen kritisch. Auch bei den Republikanern fragt eine neue Generation von Isolationisten: „Warum bezahlen wir das?" Netanjahu sieht, dass jedes kommende Wahljahr riskanter ist.

Zweiter Grund: Israel verfügt nun über industrielle und technologische Macht, die nicht von US-Paketen abhängt. Eigene Waffen werden weltweit verkauft, der israelische militärisch-industrielle Komplex hat eigenständige Einnahmen von 13 Milliarden Dollar pro Jahr. „Du nimmst zehn Jahre Hilfe an, dann wirst du selbst zum Lieferanten" - so die Redewendung. Das ist die Logik.

Aber es gibt eine dritte, leisere Geschichte. Wenn du von fremdem Geld abhängst, hängst du auch von dessen Grenzen ab. Warum bremsten die USA seit 2024 mehrfach die Lieferung von 2.000-Pfund-Bomben? Warum knüpfte der Kongress Pakete an humanitäre Klauseln für Gaza? Weil Geld mit Kommentar kommt. Netanjahu will diesen Kommentar loswerden.

Für den Balkan klingt diese Botschaft vertraut aus der Balkangeschichte - wenn ein Land aus dem „Klient-Patron"-Verhältnis in „Partner-Partner" springen will. Frage ist, ob die Bedingungen dafür bestehen. Wie viel kann Israel wirklich ohne 3,8 Milliarden Dollar pro Jahr tragen? Wie viel gibt es jährlich für Raketenabwehr, Aufklärungssatelliten, F-35-Staffeln aus? Die Zahlen sind nicht losgelöst vom Paket - sie sind drumherum aufgebaut. Und „Jetzt" zu sagen, bevor Alternativen geschaffen sind, ist entweder politischer Mut oder politische Illusion. Die Zeit wird zeigen, was davon was ist.