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Deutschland testete eine Rakete Stunden nach dem Drohnenangriff: Europa und Russland waren einem direkten Zusammenstoß lange nicht so nah

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Deutschland testete eine Rakete Stunden nach dem Drohnenangriff: Europa und Russland waren einem direkten Zusammenstoß lange nicht so nah

Seit der Invasion der Ukraine 2022 verschlechtern sich die Beziehungen zwischen Moskau und den europäischen Staaten stetig. Doch in den letzten Tagen hat sich etwas im Ton geändert - und das ist keine Rhetorik, sondern konkrete Ereignisse auf europäischem Boden.

Der versuchte Drohnenangriff auf ein ukrainisches Transportflugzeug vom Typ Antonow am Flughafen Leipzig-Halle hat die bislang schwerste Krise zwischen Berlin und Moskau ausgelöst. Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz beschuldigte Russland direkt. Moskau antwortete mit einem Dementi.

Die Reaktion aus Brüssel und aus der NATO war scharf. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, „Leipzig stellt eine neue Eskalation auf EU-Territorium dar, die direkt Russland zuzuschreiben ist“. NATO-Generalsekretär Mark Rutte drückte „volle Solidarität mit Deutschland“ aus.

Deutschland antwortet mit Waffen, nicht mit einer Note

Stunden nach dem deutschen Vorwurf testete die Bundeswehr erfolgreich eine ballistische Rakete israelischer Produktion mit 500 Kilometern Reichweite über dem Nordatlantik. Berlin erhöht zugleich die Verteidigungsausgaben und kündigt den Plan an, die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow reagierte auf diese Pläne: „Als Kanzler Merz sagte, er werde Deutschland wieder zur wichtigsten Militärmacht Europas machen, war ich schlicht verblüfft.“ Anschließend verband er die Aussagen mit der Geschichte NS-Deutschlands - ein Schritt, der aus Moskau so routinemäßig kommt, dass er kein Argument mehr ist, sondern ein Reflex.

Es ist nicht nur Leipzig

Die Liste der Vorfälle in Europa in jüngster Zeit ist länger, als eine einzelne Meldung vermuten lässt: zwei Angriffe auf Umspannwerke in Deutschland, im Osten und im Westen; der Verdacht auf Brandstiftung in einer polnischen Drohnenfabrik, worüber auch Premier Donald Tusk sprach; eine Warnung der dänischen Behörden, sie hätten Vorbereitungen für russische Sabotage gegen Rüstungsunternehmen aufgedeckt.

Keines dieser Ereignisse ist für sich genommen ein Krieg. Zusammen sind sie etwas anderes - ein systematisches Austesten, wo die Grenze verläuft und was sich alles tun lässt, ohne dass eine Antwort folgt.

Vier Szenarien, kein bequemes darunter

Die Analysen der europäischen Presse laufen auf vier mögliche Richtungen hinaus. Erstens: ein langfristiger hybrider Krieg ohne direkten Zusammenstoß, der zur „neuen Normalität“ wird. Zweitens: ein Vorfall, der außer Kontrolle gerät. Drittens: Russland testet gezielt die Bereitschaft der NATO. Viertens: offener Krieg zwischen Russland und der NATO - vorerst das Unwahrscheinlichste.

Der Außenpolitikanalyst Denis Avdagić nannte die Ereignisse in Deutschland „Terrorismus“ und „Terroranschläge“, mit der Begründung, „die Dinge müssen bei ihren richtigen Namen genannt werden“. Seine Warnung ist direkt: „Wenn es keine ausreichend starke Botschaft gibt, können wir erwarten, dass dies weitergeht und sich solche Vorfälle über ganz Europa ausbreiten.“ Zum direkten Zusammenstoß meint Avdagić, Russland wolle keinen offenen Konflikt, weil es keine zweite Front öffnen könne, solange es in der Ukraine gebunden sei - er betont aber, Moskau sei hervorragend im Informationskrieg, und das gefährde den Zusammenhalt von EU und NATO.

Der Balkan kennt diese Szene auswendig

Ein hybrider Krieg beginnt nicht mit Panzern. Er beginnt mit einer Sabotage, die niemand zugibt, mit einem Brand, der ein „technischer Defekt“ ist, mit einem Vorfall, bei dem alle wissen, wer ihn verübt hat, und niemand es beweisen kann. Der Balkan hat diese Phase durchlebt - und weiß, wie lange sie dauern kann, bevor jemand sie laut benennt.

Genau deshalb zählt Avdagićs Punkt, dass das Ziel der Zusammenhalt ist und nicht das Territorium. Ein gespaltenes Europa muss man nicht mit Raketen besiegen. Es genügt, dass jeder Staat anfängt, den Angriff auf den Nachbarn für ein fremdes Problem zu halten. Und dieses Zerfallen einer gemeinsamen Haltung hat unsere Region mehr als einmal aus der Nähe gesehen.