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Zwei Umspannwerke in Deutschland binnen 24 Stunden angegriffen: keine Hacker, sondern Zangen - und drei Versionen, wer sie hält

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Zwei Umspannwerke in Deutschland binnen 24 Stunden angegriffen: keine Hacker, sondern Zangen - und drei Versionen, wer sie hält

Zwei Angriffe auf das Stromnetz in Deutschland in weniger als 24 Stunden. Keine Hackerangriffe, nichts Digitales - Menschen, die physisch an Kabel und Umspannwerke herangekommen sind und sie durchtrennt haben. Das ist der Unterschied, den viele übersehen, und er ist entscheidend: Man muss kein Staat mit Cyberarmee sein, um Hunderttausende ohne Strom zu lassen. Eine Zange und eine Karte genügen.

Der zweite Schlag ereignete sich an einem Umspannwerk in der Nähe von Köln. Unbekannte verursachten vorsätzlich einen Kurzschluss an Hochspannungskabeln, mehrere Blöcke des Kraftwerks in Bergheim wurden vom Netz getrennt. Einen Tag zuvor hatte in Brandenburg südlich von Berlin eine Explosion Leitungen bei einem anderen Kraftwerk zerstört. Zwei verschiedene Punkte, zwei verschiedene Bundesländer, dieselbe Methode - und genau deshalb betrachten die Ermittler beide Fälle zusammen.

Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, scheute das Wort „Sabotage“ nicht. „Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen wir davon aus, dass es sich um einen Angriff handelt, der entweder von ausländischen Tätern oder von Personen aus der linksextremen Szene verübt wurde“, sagte er und fügte hinzu, vorerst werde nichts ausgeschlossen. Beide Ermittlungen laufen als Taten gegen die verfassungsmäßige Ordnung Deutschlands - eine Einordnung, die im deutschen Recht bedeutet, dass der Fall keine einfache Sachbeschädigung mehr ist.

Drei Versionen, keine bestätigt

Die deutschen Dienste arbeiten derzeit mit drei Hypothesen: Russland, einheimische Linksextremisten oder ein koordinierter Angriff auf kritische Infrastruktur durch eine dritte Seite. Das ist beinahe die gesamte Palette - was heißt, dass sie es zumindest vorerst nicht wissen. Und wenn ein Staat mit deutschen Ressourcen einräumt, nicht zu wissen, wer ihm die Leitungen durchtrennt, ist das für sich genommen eine Nachricht.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau sind auf dem tiefsten Stand seit Jahren, seit Deutschland offen den Vorwurf erhebt, Russland führe hybride Operationen auf seinem Territorium. Am selben Tag, an dem der zweite Sabotageakt geschah, testete die deutsche Marine eine israelische ballistische Rakete mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern. Das ist eine Antwort, die mehr sagt als jede Erklärung - Berlin verhält sich nicht mehr wie ein Land, das nur kommentiert.

Und der Punkt, der selten laut ausgesprochen wird: Ein Umspannwerk ist keine Militärbasis. Es hat keine Mauern, keine Wache, kein Radar. Es gibt Hunderte davon in jedem europäischen Land, und die meisten sind von einem Maschendrahtzaun und einem Vorhängeschloss gesichert. Wenn zwei Menschen mit einfachem Werkzeug in einem der reichsten Länder der Welt Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen können - was schützt dasselbe Umspannwerk auf dem Balkan?

Die Frage ist weniger rhetorisch, als sie aussieht. Die Infrastruktur der Region ist älter, schlechter überwacht und ist schon mehrfach aus ganz prosaischen Gründen ausgefallen - Unwetter, ein altes Kabel, eine plötzliche Überlastung. Der Unterschied zwischen Defekt und Angriff ist für die Ermittlung wichtig. Für den Menschen, der im Dunkeln sitzt, bedeutet dieser Unterschied nichts.