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Die Donau legte Cernavodă still, Paks läuft mit zehn Prozent: Was davon an der mazedonischen Steckdose ankommt

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Die Donau legte Cernavodă still, Paks läuft mit zehn Prozent: Was davon an der mazedonischen Steckdose ankommt

Rumänien hat beide Reaktoren im Kernkraftwerk Cernavodă abgeschaltet. Nicht wegen eines Defekts, nicht wegen Brennstoffmangels - wegen Wasser. Die Donau ist auf einen historischen Tiefstand gefallen, und die beiden Reaktoren zu je 706 Megawatt können die zur Kühlung nötige Wassermenge nicht mehr sicher entnehmen. Zum ersten Mal stellen beide Reaktoren aus diesem Grund gleichzeitig die Stromproduktion ein. Normalerweise liefert Cernavodă rund ein Fünftel des rumänischen Stroms.

Ungarn steht vor derselben Lage. Das Kernkraftwerk Paks, das rund 40 Prozent der Landesproduktion liefert, läuft mit etwa 240 Megawatt statt der üblichen zwei Gigawatt. Ganz abgeschaltet ist es noch nicht - die ungarischen Behörden erklärten am Montag, die Minimalproduktion könne noch ein bis zwei Tage weitergehen. Fällt die Donau weiter, wäre eine vollständige Abschaltung die erste in ihrer 44-jährigen Geschichte.

Wenn ein Fluss halb Europa trägt

Die rumänische Marine sprengte kontrolliert Felsen in einem Donauarm, um mehr Wasser Richtung Cernavodă zu lenken. Das klingt nach einer Szene aus einem Katastrophenfilm, das Ziel ist aber ganz praktisch: genug Kühlwasser sicherstellen.

Jahrzehntelang galt die Donau als kostenlose Infrastruktur, die die Natur dem Kontinent schenkt. Ihr Wasser kühlt Kern- und Wärmekraftwerke, treibt Wasserkraftwerke an, transportiert Brennstoff und Rohstoffe, ermöglicht Getreideexporte. Sinkt der Pegel, versagen all diese Funktionen gleichzeitig: Dem Wasserkraftwerk fehlt Durchfluss, das Wärmekraftwerk wird die Abwärme nicht mehr los, das Kernkraftwerk muss die Leistung drosseln, um Sicherheitsgrenzen einzuhalten, und Schubverbände fahren mit weniger Ladung.

Das Niedrigwasser traf auch die Erzeugung der Kraftwerke am Eisernen Tor. In Rumänien stoppten die Werke von Dacia und Ford vorübergehend die Produktion, um rund 200 Megawatt Leistung freizugeben. Der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar warnte vor kritischen Tagen und rief Unternehmen wie Bürger auf, den Verbrauch freiwillig zu senken.

Der gefährlichste Teil ist nicht der physische Mangel

Der Preis an der ungarischen Börse HUPX stieg über 150 Euro je Megawattstunde. Auch in Rumänien, Österreich, Bulgarien, Kroatien und Deutschland zieht er an. Das Problem: Alle suchen zur selben Zeit Strom auf demselben regionalen Markt, während begrenzte grenzüberschreitende Kapazitäten den Spielraum für Importe verengen.

In den Preis fließt also nicht nur der Mangel an Megawatt ein. Auch Risiko, Unsicherheit und die Furcht, morgen sei noch weniger Erzeugung verfügbar. Der Markt rechnet die Krise ein, bevor sie überhaupt an der Steckdose ankommt.

Wo Mazedonien in diese Gleichung passt

Das Kraftwerk Bitola wird nicht mit Donauwasser gekühlt, und das mazedonische System hängt nicht direkt an Paks oder Cernavodă. Es hängt aber am regionalen Markt - und wenn Ungarn, Rumänien, Serbien, Bulgarien und Kroatien gleichzeitig zusätzlichen Strom suchen, wird Import teurer und schwerer verfügbar. An der mazedonischen Börse MEMO wurden bereits Preise über 100 Euro je Megawattstunde registriert.

Das heißt nicht, dass die Haushaltsrechnungen morgen automatisch steigen. Der Haushaltspreis hängt von regulierten Mechanismen, der Beschaffung des Universalversorgers, der heimischen Erzeugung und Entscheidungen der Institutionen ab. Exponiert sind Betriebe, die am freien Markt kaufen - bei ihnen wird teurer Strom schnell zu teurerer Produktion, Logistik und Kühlung.

Die heimischen Maizahlen sehen gut aus: Laut Statistikamt wurden 462.653 Megawattstunden erzeugt und damit 96,5 Prozent des Inlandsverbrauchs gedeckt. Mai ist allerdings nicht August - und schon gar nicht Oktober. Die Frage, die man jetzt stellen sollte und nicht im Herbst, lautet: Wie viel Strom können wir selbst erzeugen, wenn die Dürre nicht nachlässt?