Skip to content

163 Yen für einen Dollar, dann eine gemeinsame Intervention: USA und Japan kaufen erstmals seit 2011 wieder Yen

0 Min. Lesezeit
Teilen
163 Yen für einen Dollar, dann eine gemeinsame Intervention: USA und Japan kaufen erstmals seit 2011 wieder Yen

Hundertdreiundsechzig Yen für einen US-Dollar. Das war der niedrigste Wert der japanischen Währung seit 1986 - vier Jahrzehnte zurück. Dann folgte ein Schritt, den die Märkte lange nicht gesehen hatten: Japan und die Vereinigten Staaten intervenierten gemeinsam am Devisenmarkt, um den Absturz zu stoppen.

Nach der Aktion legte der Yen kräftig zu, auf rund 155,2 je Dollar, und pendelte sich dann bei 156 bis 157 ein. Japans Finanzministerium bestätigte, am 31. Juli in Abstimmung mit dem US-Finanzministerium Yen gekauft zu haben; dieses wiederum kaufte über die Federal Reserve Bank of New York. Ziel sei es gewesen, so die japanischen Behörden, übermäßige Schwankungen und ungeordnete Kursbewegungen zu verhindern.

Zuletzt geschah das nach dem Tsunami 2011

Es ist die erste abgestimmte Aktion dieser Art seit 2011, als beide Länder nach dem verheerenden Erdbeben und Tsunami im Osten Japans eingriffen. Damals war das Ziel das umgekehrte - der Yen wertete stark auf, weil Investoren erwarteten, dass japanische Unternehmen Mittel für den Wiederaufbau zurückholen; die G7-Staaten intervenierten, um das zu bremsen.

Dasselbe Instrument, das entgegengesetzte Ziel. Vor fünfzehn Jahren kämpfte man gegen einen zu starken Yen. Jetzt gegen einen zu schwachen.

Japans Finanzministerium und US-Finanzminister Scott Bessent erklärten, sie würden nicht zögern, bei Bedarf erneut gemeinsam zu handeln.

Die Ursache ist eine einzige Zahl

Der Zinsabstand. Die japanische Notenbank hob den Leitzins im Juni auf ein Prozent an - den höchsten Stand seit 1995. Der Referenzzins der US-Notenbank liegt zwischen 3,50 und 3,75 Prozent.

Das ist die Differenz, die Jahr für Jahr Kapital in die US-Finanzmärkte abfließen ließ und die japanische Währung für internationale Anleger unattraktiv machte. Hinzu kommt: Japans Wirtschaft kämpft mit schrumpfender Erwerbsbevölkerung, niedriger Produktivität und hoher Abhängigkeit von Energieimporten, deren Preise in Dollar notieren. Eine schwache Währung verteuert diese Importe, treibt die Inflation und senkt den Lebensstandard.

Warum eine Intervention überhaupt wirkt

Der Mechanismus ist simpler, als er klingt. Will eine Notenbank die eigene Währung stärken, verkauft sie Dollar aus den Devisenreserven und kauft die eigene. Die Nachfrage steigt, der Wert klettert. Tut eine zweite große Notenbank dasselbe, ist der Effekt weit stärker.

Genau deshalb ist die Beteiligung Washingtons entscheidend. Eine einseitige japanische Intervention kann den Fall vorübergehend stoppen, den Trend aber kaum drehen. Steht auch das US-Finanzministerium dahinter, erhalten Anleger die Botschaft, dass die zwei größten Volkswirtschaften ein gemeinsames Interesse haben - und das genügt, damit Spekulanten ihre Positionen gegen den Yen schließen.

Viele Ökonomen erinnert das an das „Plaza-Abkommen“ von 1985, als sich die Finanzminister und Notenbankchefs der USA, Japans, Westdeutschlands, Frankreichs und Großbritanniens auf eine koordinierte Schwächung des Dollars einigten. In den zwei folgenden Jahren verlor der Dollar rund ein Drittel seines Werts gegenüber Yen und D-Mark. Es bleibt das bekannteste Beispiel dafür, wie koordiniertes Handeln den Lauf der Weltdevisenmärkte ändern kann.

Die Schritte zeigen die Absicht beider Staaten, zu verhindern, dass eine Verkaufswelle bei Yen und japanischen Staatsanleihen zu einem breiteren Schock für die Weltwirtschaft wird - was unter anderem auch Washingtons eigene Finanzierungskosten erhöhen könnte. Analysten warnen, dies könne erst der Anfang einer breiteren Strategie sein, falls sich der Yen erneut den Rekordtiefs nähert.