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Er regierte 35 Jahre und unterschrieb nie eine Abdankung: Harald V. ist tot, der letzte europäische König, der den Krieg erinnerte

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Er regierte 35 Jahre und unterschrieb nie eine Abdankung: Harald V. ist tot, der letzte europäische König, der den Krieg erinnerte

Der norwegische Hof teilte es am Freitagmorgen mit: König Harald V. starb um 6:35 Uhr im Staatskrankenhaus in Oslo im Alter von 89 Jahren. Er regierte 35 Jahre - vom 17. Januar 1991 bis heute - und unterschrieb bis zum letzten Tag keine Abdankung. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist seine ganze Biografie in einem Satz.

Um ihn herum leerte Europa langsam den Raum. Die Königinnen und Könige seiner Generation zogen sich einer nach dem anderen zurück, meist mit der Begründung, die Gesundheit halte nicht mehr. Harald hatte mehr Gründe als sie alle: Die letzten Jahre waren eine Reihe von Infektionen, und am 17. August dieses Jahres wurde er wegen hämolytischer Anämie ins Krankenhaus aufgenommen. Er blieb dennoch König. Am norwegischen Hof nannten sie ihn den „unbesiegbaren Wikinger“, und das war kein Marketing - es war die Beschreibung von jemandem, der sich weigerte zu gehen, bevor er musste.

Der König, der die Rechnung darüber änderte, wen ein Thronfolger lieben darf

1968 heiratete Harald Sonja Haraldsen - eine Frau ohne einen Tropfen königlichen Blutes. Er war der erste Thronfolger Europas, der das tat. Heute klingt das nach einer gewöhnlichen Liebesgeschichte; damals war es ein institutionelles Beben, denn die Höfe behandelten das Blut als Bedingung, nicht als Detail. Was danach kam - Letizia in Spanien, Mary in Dänemark, Mette-Marit in Norwegen selbst - ging einen Weg, den er geöffnet hatte. Monarchien ändern sich selten per Dekret. Sie ändern sich, wenn jemand die Regel schlicht nicht akzeptiert.

Geboren wurde er am 21. Februar 1937 als erster Prinz, der nach 567 Jahren auf norwegischem Boden zur Welt kam. Schon dieser Satz zeigt, wie schmal die Geschichte dieser Dynastie ist - die Glücksburger führen Norwegen erst seit 1905, was nach balkanischem Maß gestern ist. Und seine Kindheit verging auf der Flucht: Von 1940 bis 1945 lebte er im Exil in den USA, während die Familie die Widerstandsgeschichte von außen führte.

Der Letzte, der den Krieg aus erster Hand erinnert

Mit seinem Tod geht der letzte Herrscher Europas, der den Zweiten Weltkrieg als Kind erlebte und nicht als Geschichtsstunde. Das ist der Moment, den man festhalten sollte. Nicht weil Könige an sich wichtig wären, sondern weil ein Ereignis, wenn sein letzter lebender Zeuge geht, aufhört Erinnerung zu sein und zum Archiv wird. Der Balkan kennt diesen Unterschied auswendig.

Der Thron geht an seinen Sohn Haakon über, der seit heute Haakon VIII. ist. Die Thronfolgerin Ingrid Alexandra positioniert sich als nächstes Glied. Die norwegische Monarchie funktioniert in einem Land mit dem reichsten Staatsfonds der Welt weiter als Institution, nach deren Kosten niemand laut fragt - weil die Antwort, zumindest vorerst, niemanden genug beunruhigt.