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Eine App aus den Neunzigern wurde Nummer eins in Amerika, weil sie sich weigerte, einen See umzubenennen: Google und Apple änderten den Namen in derselben Woche

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Eine App aus den Neunzigern wurde Nummer eins in Amerika, weil sie sich weigerte, einen See umzubenennen: Google und Apple änderten den Namen in derselben Woche

MapQuest ist eine Navigations-App, die die meisten aus der Zeit kennen, als man die Route vor der Abfahrt auf Papier ausdruckte. Jahrelang war sie der lebende Beweis, dass auch der Größte eines Marktes als Fußnote enden kann - Google Maps nahm ihr die Krone, und niemand erwähnte sie mehr. Am Dienstag wurde diese App Nummer eins im gesamten amerikanischen App Store, vor allen Spielen und allen anderen Programmen.

Der Grund hat mit keiner einzigen neuen Funktion zu tun.

Am 27. August unterzeichnete der US-Präsident eine Anordnung, nach der die staatliche Stelle für geografische Namen den Ontariosee in „Lake America“ umbenennen sollte. Google Maps änderte den Namen. Apple Maps änderte ihn ein paar Tage später. MapQuest teilte auf X mit, es werde ihn nicht ändern - und blieb dabei.

Was folgte, zeigt sich in den Zahlen. Am 28. August lag die App auf Platz 128, am folgenden Tag auf 92, am Montag auf Platz drei und am Dienstag auf eins. Seit der Unterzeichnung wurde sie in den USA laut der Analysefirma Sensor Tower rund 632.000 Mal heruntergeladen, während das Unternehmen selbst angibt, in den USA und Kanada insgesamt über 1,5 Millionen Installationen zu haben. Mehr als die Hälfte aller US-Downloads der App in diesem Jahr - 56 Prozent - fiel in diese sechs Tage.

Niemand hat sie wegen besserer Karten geladen. Sie haben sie als Stimmabgabe geladen.

„Unglaublich ist, dass die Leute die App nicht nur installieren - es ist ihnen wichtig genug, uns direkt zu schreiben, Funktionen zu fordern und Fehler in sozialen Netzwerken und in Rezensionen zu melden“, sagte Doug Berger, General Manager von MapQuest. „Unser kleines Team arbeitet rund um die Uhr daran, das zu bauen, was die Leute verlangen.“

Googles Erklärung für die Umbenennung war technisch: Man aktualisiere Namen nach offiziellen staatlichen Quellen, in diesem Fall dem US-Register geografischer Namen. Apple äußerte sich nicht, folgt aber vermutlich derselben Regel. Die Antwort ist einwandfrei, und genau deshalb überzeugt sie niemanden - diese beiden Firmen treffen täglich redaktionelle Entscheidungen darüber, was Sie sehen und was nicht; die Behauptung, bei Namen werde nur weitergegeben, ist eine Wahl, keine Pflicht.

MapQuest kann sich eine Haltung leisten, weil es nicht viel zu verlieren hat. Den Golf von Mexiko führt es bereits unter dem alten Namen und veröffentlichte ein Werkzeug, mit dem Nutzer den Ontariosee zum Spaß beliebig umbenennen können. Wenn man Achter in seiner Kategorie ist, riskiert man mit Ungehorsam nichts. Wenn man Google ist, hat jeder Streit mit der US-Regierung anderswo einen Preis.

Im Übrigen ist auch MapQuest keine unabhängige Firma mehr - Eigentümer ist die Werbefirma System1, die sie 2019 von Verizon kaufte, nachdem Verizon 2015 AOL erworben hatte. Auch diese Geschichte vom kleinen Rebellen hat also einen Konzerneigentümer im Hintergrund. Der Unterschied liegt nur darin, wie viel dieser Eigentümer zu verlieren hat.

Am interessantesten ist, was die Zahlen über die Nutzer aussagen. Über eine halbe Million Menschen wechselten in sechs Tagen ihre Navigation - ein Werkzeug, das man täglich benutzt und von dem man sich schwer löst - nur um Haltung zu zeigen. Ob sie dort bleiben, wenn die aktuelle Geschichte aus den Nachrichten verschwindet, ist eine ganz andere Frage; ein Download dauert eine Sekunde, eine Gewohnheit ändert sich über Monate.