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1945 wurden vierzig Prozent dem Erdboden gleichgemacht, dann Stein für Stein wieder aufgebaut: die Stadt in Bayern, in der keine Werbetafeln erlaubt sind

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1945 wurden vierzig Prozent dem Erdboden gleichgemacht, dann Stein für Stein wieder aufgebaut: die Stadt in Bayern, in der keine Werbetafeln erlaubt sind

Rothenburg ob der Tauber, ein bayerisches Städtchen zwischen Nürnberg und Stuttgart, ist das, was Reiseprospekte ein Märchen nennen - und tatsächlich etwas Interessanteres: ein Ort, an dem jemand eine Entscheidung traf und dabei blieb. Die Straßen behielten den Grundriss von vor sechshundert Jahren, und Werbetafeln sind schlicht nicht erlaubt. Keine einzige.

Die Mauer um die Altstadt ist fast vier Kilometer lang und hat 48 Türme. Man geht auf ihr entlang und die Stadt öffnet sich von oben - ein anderer Blick als der vom Marktplatz. Dort steht das Rathaus mit einem Turm von 220 Stufen - ohne Aufzug, mit Belohnung oben.

All das war schon einmal zerstört

Am 31. März 1945 machte die Bombardierung vierzig Prozent der Altstadt dem Erdboden gleich. Das ist die Angabe, die auf Postkarten am wenigsten vorkommt - und der Schlüssel zu allem anderen: Was man heute sieht, ist zu großen Teilen wiederaufgebaut, Stein für Stein, nach alten Zeichnungen und Fotografien. Die Deutschen bezahlten diese Restaurierung als Frage der Identität, nicht als Tourismusinvestition - die kam später.

Die Stadt war von 1274 bis 1803 Freie Reichsstadt, was heißt, dass sie jahrhundertelang nur dem Kaiser verantwortlich war. Dieser Status finanzierte die Gebäude, vor denen sich heute Millionen fotografieren. Darunter der Renaissance-Georgsbrunnen aus dem fünfzehnten Jahrhundert, einer der größten Deutschlands, und das gelbe Fachwerkhaus am Plönlein - die meistfotografierte Ecke der Stadt.

In der St.-Jakobs-Kirche steht der Heilig-Blut-Altar, ein Werk Tilman Riemenschneiders, dessen Holzarbeit aus dem sechzehnten Jahrhundert man anders betrachtet, wenn man weiß, dass er sie ohne ein einziges modernes Werkzeug schuf. Dazu kommt das Mittelalterliche Kriminalmuseum, das gar nicht erst versucht, angenehm zu sein - und genau deshalb gut besucht ist.

Was man isst und was die Anreise kostet

Die lokale Spezialität ist der Schneeball - Teig, Eier, Butter, mit Puderzucker bestäubt, zur Kugel geformt. Die fränkische Küche ist eine ernste Angelegenheit: langsam gebratener Schweinebraten mit Kartoffelklößen, Schweinshaxe, Wild. Dazu fränkischer Wein, der in Deutschland ein Publikum weit über den Tourismus hinaus hat.

Von Nürnberg ist man in anderthalb Stunden mit dem Zug da, von Stuttgart in zweieinhalb, von Frankfurt in drei Stunden. Das erlaubt einen Besuch ohne Übernachtung - obwohl der Abendrundgang mit dem Nachtwächter in mittelalterlicher Kleidung, der die lokalen Geschichten erzählt, erst stattfindet, wenn die Gruppen weg sind.

Die besten Termine sind die Feste: der Meistertrunk um Pfingsten, das Reichsstadt-Festtage Anfang September und der Weihnachtsmarkt ab Ende November. Rothenburg hat außerdem einen ganzjährig geöffneten Weihnachtsschmuckladen - was entweder wunderbar ist oder ein Zeichen, dass die Stadt die ihr zugewiesene Rolle vollständig angenommen hat.