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Sanktionen ohne Schuss: Washington bestraft nicht die russischen Firmen, sondern alle, die von Russland kaufen

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Sanktionen ohne Schuss: Washington bestraft nicht die russischen Firmen, sondern alle, die von Russland kaufen

Washington bereitet ein neues Sanktionspaket vor, doch diesmal ist das Ziel nicht die russischen Unternehmen - sondern alle, die russisches Öl und Gas kaufen. Die neue Fassung des Gesetzes würde Trump die Möglichkeit geben, Zölle von bis zu 100 Prozent auf die größten Importeure russischer Energie zu verhängen. Mit anderen Worten: Nicht der Verkäufer wird angegriffen, sondern der Käufer eingeschüchtert.

Der größte Druck fällt auf China und Indien, die beiden größten Kunden für russisches Öl. Doch die Liste geht weiter und trifft näher an uns heran. Beim Öl werden die Slowakei, Ungarn und Aserbaidschan genannt. Beim Gas - Frankreich, Japan, Ungarn und Belgien. Das ist keine Geschichte mehr über ferne Supermächte, sondern über Staaten, die unsere Nachbarn oder Partner in Europa sind.

Der Mechanismus hat auch ein Fluchtventil. Länder, in denen russisches Gas unter 15 Prozent der Gesamteinfuhr liegt und die zeigen, dass sie ihre Abhängigkeit schrittweise senken, könnten eine Ausnahme bekommen. Trump wiederum behält sich das Recht vor, die Strafen aufzuschieben oder aufzuheben, wenn er es im Interesse der USA sieht. Das Gesetz ist also Hammer und Erpressung zugleich - es kommt darauf an, auf wen es angewandt wird und wann.

Das Paket endet nicht bei den Zöllen. Es umfasst auch russische Funktionäre, Finanzinstitute, Energieprojekte und die sogenannte „Schattenflotte" - die Schiffe, die russische Rohstoffe transportieren und dabei die westlichen Beschränkungen umgehen. Ziel ist es, der russischen Wirtschaft genau dort die Luft abzuschneiden, wo es am meisten schmerzt: bei den Einnahmen aus dem Export.

Die Idee hinter dem Gesetz führten die Senatoren Lindsey Graham und Richard Blumenthal an. Nach Grahams Tod belebten Kollegen den Vorschlag mit 26 Unterzeichnern, senkten aber die ursprüngliche Strafe von 500 auf 100 Prozent Zoll - um breitere politische Unterstützung zu gewinnen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie selbst die schärfsten Drohungen danach zugeschnitten werden, wie viele Stimmen sich zusammenbringen lassen.

Washingtons Strategie ist klar: Statt einzelne Firmen zu verfolgen, will es die größten Käufer Russlands verscheuchen und Moskau zwingen, zu einem schlechteren Preis zu verkaufen oder die Produktion zu drosseln. Die Logik ist kalt, aber effektiv. Die Frage, die für Europa bleibt - und für den Balkan, der weiter mit fremdem Gas heizt - ist einfach: Wenn die Großen anfangen, sich um das Recht zu kaufen zu streiten, wer zahlt am Ende die höhere Rechnung am Schalter?