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Harvard suchte 87 Jahre das Geheimnis eines langen Lebens: nicht das Cholesterin, sondern wen du um drei Uhr nachts anrufen kannst

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Harvard suchte 87 Jahre das Geheimnis eines langen Lebens: nicht das Cholesterin, sondern wen du um drei Uhr nachts anrufen kannst

Wenn dir jemand sagt, das Geheimnis eines langen und gesunden Lebens liege nicht im Cholesterin, nicht im Bauchumfang, nicht im Gehalt - sondern darin, wen du um drei Uhr morgens anrufen kannst - hältst du das vermutlich für übertrieben. Und genau zu diesem Schluss kam eine der längsten Studien über menschliches Glück überhaupt.

Die Rede ist von der Harvard-Studie zur Entwicklung des Erwachsenen, begonnen bereits 1938. Fast neun Jahrzehnte lang verfolgten Wissenschaftler Hunderte Menschen und ihre Familien über mehrere Generationen hinweg - was sie aßen, wie sie arbeiteten, wie viel sie verdienten, woran sie erkrankten, welche Gewohnheiten sie hatten. Und am Ende war der Faktor, der Langlebigkeit und Wohlergehen am stärksten vorhersagte, keiner von diesen - sondern wie sehr sich ein Mensch von den anderen um sich herum unterstützt fühlte.

Robert Waldinger, Psychiater aus Harvard und heutiger Direktor der Studie, sagt es ohne Umschweife: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher, gesünder und helfen uns, länger zu leben." Nicht das Geld. Nicht das Fitnessstudio. Die Beziehungen.

Die Wissenschaft dahinter ist ganz konkret. Fühlt sich ein Mensch unterstützt, produziert der Körper weniger Cortisol - das Stresshormon - und mehr Oxytocin und Dopamin, die mit dem Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit verbunden sind. Mit anderen Worten: Nähe beruhigt den Organismus buchstäblich von innen.

Ein Detail verdient noch Aufmerksamkeit: Es ist nicht die Zahl der Freunde, sondern ihre Qualität. Eine Untersuchung der University of Arkansas zeigte, dass wirklich enge Freundschaften - jene, bei denen man zu jeder Tageszeit anrufen kann - das Selbstvertrauen weit stärker hoben und die Einsamkeit weit stärker senkten als Dutzende oberflächlicher Bekanntschaften. Ein Telefon voller Kontakte bedeutet nichts, wenn keiner von ihnen da ist, wenn es darauf ankommt.

Und hier ist der balkanische Teil der Geschichte, jener, für den wir keine Studie brauchen. Bei uns ist der Nachbar, der dir ein Blech Essen bringt, wenn du krank bist, der Cousin, der unangekündigt kommt, der Kaffee, der drei Stunden dauert - das ist ein Kapital, das die anderen erst jetzt entdecken, im Labor. Die Frage ist nicht, ob wir es haben. Die Frage ist, ob wir es im Wettlauf um alles andere bewahren werden.

Waldinger fügt eine weitere wichtige Mahnung hinzu. Eine Untersuchung der University of Oregon zeigte, dass Beziehungen, die nur über den Bildschirm bestehen, den Effekt lebendigen Kontakts von Angesicht zu Angesicht nicht ersetzen können. Nähe braucht Zeit, Präsenz und gemeinsame Erlebnisse - Dinge, die sich nicht wie eine App herunterladen lassen.