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Warum du schlechter isst, wenn du nicht gut schläfst: Es ist kein schwacher Wille, sondern Hormone

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Warum du schlechter isst, wenn du nicht gut schläfst: Es ist kein schwacher Wille, sondern Hormone

Wir alle kennen diesen Morgen. Die Nacht war kurz, der Schlaf schlecht, und irgendwann gegen Mittag greift die Hand von selbst nach etwas Süßem oder Fettigem - Schokolade, einem Croissant, Chips. Dann kommt das Schuldgefühl: „Ich habe nicht genug Willenskraft”. Die Wissenschaft sagt, das Schuldgefühl ist falsch adressiert. Das Problem liegt nicht im Charakter, sondern in den Hormonen und in einem Gehirn, das nicht genug geschlafen hat.

Die Psychologin Esther Boada, Spezialistin für Essstörungen, erklärt den Mechanismus einfach. Wenn der Körper nicht genug schläft, liest er das als Ungleichgewicht und reagiert mit einer hormonellen Wende: Leptin, das Hormon, das Sättigung signalisiert, sinkt, während Ghrelin, das Hungerhormon, steigt. Das Ergebnis ist ein Körper, der mehr Nahrung verlangt, und zwar gerade die kalorienreichste - reich an Zucker und Fett. Boada beruft sich auf die Forschung von Karine Spiegel, die genau diesen Effekt schon vor Jahren zeigte.

Doch die Geschichte endet nicht bei den Hormonen. Ein unausgeschlafenes Gehirn verliert einen Teil der Fähigkeit, Emotionen zu regulieren und Impulse zu kontrollieren. Konzentration, Gedächtnis und Selbstkontrolle nehmen ab, während Reizbarkeit und Stressintoleranz zunehmen. Zugleich leuchten die Belohnungszentren im Gehirn stärker auf, wenn sie kalorienreiche Nahrung erblicken, während die Zonen für Selbstkontrolle schwächer arbeiten. Mit anderen Worten - das Verlangen wird lauter, die Bremse schwächer.

Hier kommt die Arbeit des Neurowissenschaftlers Matthew Walker ins Spiel, der den Schlaf „einen der großen Regulatoren” des Gleichgewichts zwischen biologischen Bedürfnissen und bewussten Entscheidungen nennt. Wenn dieser Regulator fehlt, werden Entscheidungen über Nahrung nicht mehr mit Vernunft getroffen, sondern mit einem müden Gehirn, das schnelle Energie sucht. Und das ist keine Schwäche - es ist Biologie.

Was tun? Boada schlägt etwas vor, das fast unromantisch klingt: statt Diäten und Selbstkritik soll die Erholung Vorrang haben. Lassen Sie keine Mahlzeiten aus, bereiten Sie im Voraus gesunde und sättigende Optionen vor, und hören Sie auf, sich für etwas zu beschuldigen, das Physiologie ist und keine moralische Schwäche. Manchmal geschieht das Beste, was wir für unsere Ernährung tun können, nicht in der Küche oder im Fitnessstudio - sondern im Bett, mit ein paar Stunden mehr Schlaf.