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Dankbarkeit verändert das Gehirn: Was Cicero vor zweitausend Jahren wusste - und die Wissenschaft erst jetzt bestätigt

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Dankbarkeit verändert das Gehirn: Was Cicero vor zweitausend Jahren wusste - und die Wissenschaft erst jetzt bestätigt

Vor zweitausend Jahren schrieb ein römischer Anwalt einen Satz, dem die Psychologie heute recht gibt: „Dankbarkeit ist nicht nur die größte Tugend, sondern die Mutter aller anderen.” Cicero hatte kein Bild des Gehirns, keine Hormone unter dem Mikroskop - und traf dennoch etwas, das die Wissenschaft erst jetzt bestätigt.

Es funktioniert so. Jeder Tag bringt seine Dosis Ärger - Stau im Verkehr, eine unerwartete E-Mail, ein Streit. Das Gehirn hakt sich natürlicherweise genau an diesen Momenten fest und dreht sie im Kreis. Dankbarkeit ist ein Weg, diesen Kreis zu durchbrechen - nicht durch gespieltes Glück, sondern indem sich ändert, wie der Verstand die Probleme deutet.

Fachleute unterscheiden zwei Formen. Bedingte Dankbarkeit - jene, die davon abhängt, ob wir etwas erreicht haben oder ob die Umstände günstiger sind. Und bedingungslose - jene, die zu schätzen weiß, was sie hat, selbst mitten in schweren Tagen. Die zweite ist schwerer, aber gerade sie verändert die Dinge.

Und die Veränderung ist nicht abstrakt. Eine in der Fachzeitschrift „Cerebral Cortex” veröffentlichte Studie zeigte, dass Dankbarkeit und Güte den Hypothalamus aktivieren - den Teil des Gehirns, der Stress reguliert. Diese Aktivierung setzt Dopamin frei, das Hormon für Vergnügen und Motivation, und senkt den Cortisolspiegel, das Stresshormon. Mit anderen Worten: „Danke” ist nicht nur gute Erziehung, sondern ein chemischer Befehl ans eigene Gehirn.

Es gibt auch einen sozialen Effekt. Menschen, die dankbar sein können, haben festere Bindungen, mehr Vertrauen in andere und vergleichen sich seltener mit dem Leben anderer. Und gerade das Letzte ist vielleicht am wichtigsten in einer Zeit, in der uns jeder Bildschirm das Leben eines anderen zum Vergleich anbietet.

Das Schönste ist, dass Dankbarkeit eine Übung ist. Sie verlangt kein Abo, keine App, keinen teuren Kurs. Sie verlangt nur einen Moment am Tag - sich an die erhaltene Hilfe zu erinnern, an die Mühe eines anderen, an etwas Schönes, das unbemerkt vorüberging. Cicero wusste es ohne eine einzige Studie. Wir haben die Studie - es bleibt nur, auf sie zu hören.