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Mehr als 220 Tote bei US-Angriffen auf Boote in der Karibik: drei neue Opfer, kein einziger Name

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Mehr als 220 Tote bei US-Angriffen auf Boote in der Karibik: drei neue Opfer, kein einziger Name

Das US-Militär teilte mit, bei einem neuen Angriff auf ein Boot in der Karibik seien drei Menschen ums Leben gekommen. Das Südkommando der US-Streitkräfte veröffentlichte auf der Plattform X, es habe einen „tödlichen kinetischen Schlag“ gegen ein schnelles Wasserfahrzeug geführt, das auf bekannten Drogenschmuggelrouten unterwegs gewesen sei.

Die Formulierung ist technisch genug, um nicht danach zu klingen, was sie ist. Drei Menschen auf einem Boot, getötet ohne ein einziges Gerichtsverfahren, ohne eine Anklage, ohne einen Namen. Das Kommando berief sich auf „bestätigte Geheimdienstinformationen“ über die aktive Beteiligung des Bootes am Drogenschmuggel, nannte aber keinerlei weitere Details.

Die Zahl, die selten zitiert wird

Das ist kein Vorfall, das ist ein System. Die Regierung von Donald Trump behauptet, die seit September 2025 angegriffenen Boote in der Karibik transportierten Drogen. Bei diesen US-Angriffen auf solche Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik kamen bislang mehr als 220 Menschen ums Leben.

Zweihundertzwanzig Menschen in einem Jahr. Kein Name veröffentlicht, kein Beweis vor Gericht vorgelegt, keiner der Getöteten stand je vor einem Richter. Stattdessen: eine Mitteilung im sozialen Netzwerk mit dem Wort „Narkoterroristen“, das selbst jene, die sie weitertragen, in Anführungszeichen setzen.

Wer widerspricht

Fachleute und Menschenrechtsverteidiger, in den USA wie weltweit, stellen die Rechtmäßigkeit der Angriffe infrage. Human Rights Watch und Amnesty International haben sie gemeinsam mit unabhängigen UN-Experten als „rechtswidrige außergerichtliche Tötungen“ bezeichnet. Die American Civil Liberties Union nannte die Behauptungen der Regierung über die Ziele der Angriffe unbegründet und urteilte, ihr Zweck sei die Verbreitung von Angst.

Keines dieser Gremien hat einen Mechanismus, das zu stoppen. Sie schreiben Berichte, die Angriffe gehen weiter, die Zahl wächst. Das Völkerrecht funktioniert hier genau so weit, wie die stärkere Seite es zulässt - eine Lehre, die der Balkan längst gelernt hat, nur von der anderen Seite des Bildschirms.

Was man sich merken sollte, ist der Präzedenzfall. Wenn „bestätigte Geheimdienstinformationen“ ausreichender Grund für einen tödlichen Schlag gegen ein ziviles Boot in internationalen Gewässern sind, dann lautet die Frage nicht, ob jemand anderes dasselbe Argument benutzen wird, sondern wann und gegen wen.