Skip to content

Deutsche entdecken massenhaft, dass ihre Vorfahren Nazis waren - 80 Jahre später haben die Archive gesprochen

1 Min. Lesezeit
Teilen
Deutsche entdecken massenhaft, dass ihre Vorfahren Nazis waren - 80 Jahre später haben die Archive gesprochen

Achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entdecken Tausende Deutsche plötzlich etwas, das ihre Familien ein Leben lang verschwiegen haben - dass eine Großmutter, ein Großvater oder ein Elternteil Mitglied der NS-Partei war. Der Grund ist digital: Millionen NSDAP-Mitgliedskarten sind endlich online durchsuchbar geworden.

Die Unterlagen waren lange hinter strengen deutschen Datenschutzgesetzen verschlossen. Ihr Schicksal ist fast filmreif - sie waren in den letzten Kriegstagen auf dem Weg zur Vernichtung, bis eine amerikanische Militärintervention sie rettete. Seit das Nationalarchiv der USA sie veröffentlichte, brachten große deutsche Medien öffentliche Suchwerkzeuge heraus, und die Reaktion war massiv - es kamen Tausende Nachrichten von Lesern, die ihre Vorfahren in den Listen fanden.

Der Forscher Jürgen Falter entdeckte, dass seine eigene Mutter, eine liberale Katholikin, 1940 beitrat - ein Geheimnis, das sie ihr Leben lang hütete. „Millionen Deutsche wollten jahrzehntelang glauben, dass ihre Familien nicht in die Gewalt und die Verbrechen verstrickt waren", heißt es in einer Deutung. „Nun, achtzig Jahre nach dem Krieg, beginnen viele, dieses Tabuthema und die Familienlegenden zu hinterfragen."

Das Beitrittsdatum sagt viel aus - jene vor 1933 waren wohl ideologisch überzeugt, während jene nach 1933 oft Karriere oder Schutz suchten. Doch am wichtigsten ist die Bereitschaft selbst, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Und darin liegt eine Frage, die uns alle auf dem Balkan betrifft: Wie leicht fällt es uns, unsere eigenen Archive zu öffnen, einzugestehen, was die Unseren taten, statt sie als Helden zu verteidigen? Die fremde Vergangenheit lässt sich immer leichter beurteilen. Die eigene verlangt einen Mut, den wir selten haben.