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Đerdap läuft mit einem Viertel der Kapazität: Wenn Energieunabhängigkeit vom Pegel eines Flusses abhängt

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Đerdap läuft mit einem Viertel der Kapazität: Wenn Energieunabhängigkeit vom Pegel eines Flusses abhängt

Serbien entdeckt das Unangenehmste an der Energieunabhängigkeit: Sie hängt davon ab, wie viel Wasser in einem Fluss ist. Und der Fluss ist versiegt.

Đerdap, Serbiens größtes Wasserkraftwerk, läuft mit nur einem Viertel seiner Kapazität. Nach Angaben des Ministers für Bergbau und Energie fiel der Zufluss bei Đerdap am Montag auf „historisch niedrige Werte von nur 1.450 Kubikmetern pro Sekunde”. Kein Defekt, keine Wartung, keine Sanktion. Die Donau hat schlicht zu wenig Wasser.

Die Folge zeigt sich sofort im Preis. Strom überstieg an der Börse 500 Euro je Megawattstunde - ein Niveau, das seit der Energiekrise 2022 nicht mehr erreicht wurde. Die Regierung räumt ein, dass alles Fehlende zu Marktbedingungen zugekauft werden muss. Übersetzt: zu einem Preis, den jemand anderes bestimmt.

Kohlekraftwerke statt Wasser

Die Lücke füllen die Kohlekraftwerke in Kostolac und „Nikola Tesla” in Obrenovac. Das Pumpspeicherwerk Perućac an der Drina hält Reserven von 140 Gigawatt bereit, offiziell „ausreichend, um auf unvorhergesehene Umstände zu reagieren”.

Die Formulierung stimmt und ist zugleich etwas unaufrichtig. Wenn ein Staat erklärt, wie gut er auf unvorhergesehene Umstände vorbereitet ist, bedeutet das meist, dass der Umstand längst eingetreten ist.

Hitze, die nicht nachlässt

Dazu kam die Hitzewelle. In Serbien gilt eine rote Warnung für Temperaturen zwischen 37 und 39 Grad, in direkter Sonne werden bis zu 48 erwartet. Bis zum Wochenende bringen die Prognosen keine Entlastung - der Stromverbrauch fürs Kühlen steigt also genau an den Tagen, an denen die Produktion am schwächsten ist.

Dahinter steht die größere Frage, die die ganze Region betrifft: Wasserkraft wurde jahrzehntelang als stabile, saubere und heimische Quelle verkauft. Das stimmte, solange sich das Klima berechenbar verhielt. Reduziert ein Fluss seinen Durchfluss auf ein Viertel des Erwarteten, bleibt „heimische Quelle” nur auf dem Papier - abgerechnet wird an der europäischen Börse.

Hat bei uns jemand dieselben Szenarien für unsere Wasserkraftwerke durchgerechnet, oder warten auch wir, bis der Fluss zurückgeht, und rechnen dann?