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ESM kauft kosovarische Kohle für 24,4 Euro je Tonne, doch Blace lässt nur 800.000 Tonnen im Jahr durch

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ESM kauft kosovarische Kohle für 24,4 Euro je Tonne, doch Blace lässt nur 800.000 Tonnen im Jahr durch

Der staatliche Stromkonzern ESM hat einen Dreijahresvertrag mit der kosovarischen staatlichen Energiekorporation KEK unterzeichnet und damit eine Konzession im Bergwerk Obilić sowie das Recht erhalten, in den nächsten 36 Monaten rund drei Millionen Tonnen Kohle zu fördern. Unterzeichnet haben ESM-Generaldirektor Lazo Uzunčev und KEK-Generaldirektor Gramos Hasani.

Die entscheidende Zahl ist der Festpreis - 24,4 Euro je Tonne für die gesamte Vertragslaufzeit, mit genau definierten Qualitätsparametern. Ein Festpreis in der Energiewirtschaft bedeutet eines: Schutz vor Börsenschwankungen, um den Preis, nichts zu gewinnen, wenn die Preise fallen.

Was ESM versprochen hat

Die Rechnung des Unternehmens ist konkret. Die Verbrennung kosovarischer Kohle erhöht die Effizienz der Wärmekraftwerke und bringt zusätzlich 800 Gigawattstunden Strom pro Jahr sowie Einnahmen von rund 57 Millionen Euro. Weitere Einsparungen werden durch den geringeren Bedarf an Schweröl erwartet.

Es gibt auch eine ökologische Rechnung. Eine jährliche Senkung der CO2-Emissionen um 923.000 Tonnen durch weniger verbrannte Kohle, plus weitere 55.980 Tonnen durch geringeren Schwerölverbrauch.

Das ist das Paradox, das man benennen sollte: Der Import besserer Kohle wird als ökologischer Gewinn verkauft. Technisch stimmt es - hochwertigere Kohle heißt weniger verbrannte Masse für denselben Strom. Aber das bleibt eine Rechnung innerhalb der Kohle, kein Ausstieg aus ihr.

70 Prozent des Stroms kommen aus Wärmekraftwerken

Uzunčev nannte die Zahl, die die ganze Operation erklärt. Rund 70 Prozent der gesamten jährlichen Stromproduktion - derzeit und in den kommenden drei Jahren - stammen aus den Wärmekraftwerken.

Der geschätzte jährliche Zukaufbedarf an Kohle, ergänzend zur heimischen Förderung, liegt bei rund 1,4 Millionen Tonnen: 600.000 Tonnen für das Kraftwerk Oslomej und 800.000 Tonnen für das Kraftwerk Bitola.

Die Beschränkung heißt Blace

Hier stößt der Vertrag auf Geografie. Der Grenzübergang Blace erlaubt einen Tagesdurchsatz von höchstens 120 Lkw, also rund 3.000 Tonnen Kohle täglich. Die realistische Höchstmenge, die jährlich von KEK ankommen kann, liegt bei etwa 800.000 Tonnen.

Also: Der Bedarf beträgt 1,4 Millionen Tonnen, der maximale Durchfluss 800.000. Der Vertrag deckt einen guten Teil der Lücke, aber nicht die ganze - und das nicht wegen des Preises oder der Menge im Bergwerk, sondern wegen eines Grenztors.

Die Kohle und was in ihr steckt

Das kosovarische Becken bei Obilić zählt zu den größten Lagerstätten hochwertiger Braunkohle in Europa. Laboruntersuchungen zeigten niedrige Schwefel- und Aschegehalte und einen durchschnittlichen Heizwert von rund 1.950 Kilokalorien je Kilogramm.

Das passt in den Bereich, für den die Kessel in Bitola und Oslomej ausgelegt sind - Heizwert 1.800 bis 2.400, Schwefel unter einem Prozent und Asche unter 20 Prozent. Anders gesagt: Gekauft wurde nicht Kohle, an die man sich anpassen muss, sondern Kohle, die zur vorhandenen Technik passt.

Der Vertrag gilt noch nicht

Spätestens bis Ende August muss ESM eine Ausschreibung nach dem Gesetz über öffentliche Beschaffung veröffentlichen, um den Wirtschaftsbetreiber auszuwählen, der Abbau, Qualitätsanalyse, Verladung, Transport, Spedition und Entladung auf den Halden beider Kraftwerke übernimmt.

Erst mit dem Abschluss dieser Auswahl und der Arbeitsaufnahme dieses Betreibers tritt der Vertrag mit dem kosovarischen Partner offiziell in Kraft. Also - die Unterschrift steht, die Ausführung hängt an einer Ausschreibung, die erst noch kommen muss.

Das ist der Punkt, an dem solche Verträge am häufigsten ins Stocken geraten. Es lohnt sich zu verfolgen, ob die Ausschreibung wirklich bis Ende August erscheint.