Skip to content

EU und USA erreichen Zollabkommen - 15 Prozent für europäischen Export, null für amerikanische Industriegüter

1 Min. Lesezeit
Teilen

EU und USA haben heute Morgen offiziell ein Rahmenhandelsabkommen erreicht, nach Monaten des Streits. Der Kompromiss: Die Union streicht Zölle auf amerikanische Industriegüter und Teile landwirtschaftlicher Produkte, während Washington Zölle auf europäische Importe auf 15 Prozent begrenzt - statt der zuvor angedrohten 25%.

Das Abkommen kommt unter starkem Druck von Donald Trump, der letzten Monat 25-Prozent-Zölle auf europäische Autos ab 4. Juli androhte. Das beschleunigte Brüssel. Die Einigung wurde in jenen stillen frühen Morgenstunden unterzeichnet, wenn Verhandler keine Energie mehr für Taktik haben - nur Fristen.

Was bekommen amerikanische Exporteure? Leichteren Zugang zum europäischen Markt für viele Produkte: Meeresfrüchte, Hummer, Milchprodukte, Obst, verarbeitete Lebensmittel, Saatgut, Sojaöl, Schweinefleisch. Das heißt, ein Teil der europäischen Landwirte wird sofort schärferer Konkurrenz aus Übersee mit niedrigeren Kosten und oft subventioniertem Zugang ausgesetzt sein.

Was bekommen europäische Exporteure? Zollstabilität. Ein Satz von 15% ist ein ernstes Tarif, aber vernünftiger als 25%. Deutsche Autobauer, italienische Textilien, französischer Wein - alle können weiter in die USA verkaufen, ohne Preisschock.

Aber im Abkommen ist ein wichtiger Mechanismus eingebaut: Die EU kann das Abkommen einseitig suspendieren, wenn die USA die Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium bis Ende 2026 nicht senken. Diese Zölle erreichen aktuell bis zu 50% bei manchen Produkten - der größte Schmerz für die europäische Industrie. Ohne diese Klausel wäre das Abkommen nie durchs Europäische Parlament gekommen.

Das Abkommen hat auch eine "Sunset"-Klausel - läuft im Dezember 2029 aus, ein Jahr nachdem Trump das Weiße Haus verlassen soll. Das ist diplomatische Absicherung: Die EU will nicht unter den Bedingungen eines unkonventionellen Präsidenten gefangen bleiben, sondern will die Option zur Neuverhandlung, wenn sich die Lage ändert.

Für den Balkan-Kontext - dieses Abkommen verändert uns nicht direkt. Nordmazedonien und die Region sind nicht in der EU. Aber was bei Handelsbeziehungen zwischen großen Blöcken passiert, trifft uns gewöhnlich mit Verzögerung. Wenn die EU teurere Importe aus den USA hat (etwa bei Agrarprodukten), beeinflusst das die Preise in benachbarten Märkten. Wenn der Industriesektor Deutschlands stabile Zölle genießt - kann das Zusatzaufträge für Zulieferer aus der Region nach sich ziehen. Mit anderen Worten, das ist eine Geschichte für unseren Markt in zwei, drei Monaten.