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Warum die Hälfte der Erwachsenen Ende dreißig und vierzig mehr isst als nötig - die Sauberer-Teller-Kultur lehrte sie, nicht aufzuhören

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"Du stehst nicht vom Tisch auf, bis du alles aufgegessen hast." Der Satz, den eine ganze Generation hörte, die in den 60ern, 70ern und 80ern aufwuchs. Eine erzieherische Botschaft, Gewohnheit, Routine. Jetzt stellt sich heraus, dass dieser Satz einer der Gründe ist, warum in den späten Dreißigern und Vierzigern mehr als die Hälfte der Erwachsenen Probleme mit Ernährung und Gewicht haben.

Ernährungswissenschaftlerin Iolanda Masa vom medizinischen Zentrum "Blua de Sanitas" in Spanien hat die Geschichte erklärt, was in der Fachwelt als "Sauberer-Teller-Kultur" bezeichnet wird. Der Punkt: wir sind darauf trainiert, den leeren Tellerboden als Zeichen dafür zu sehen, dass wir fertig sind - nicht was der Körper sagt.

"Das Problem tritt auf, wenn eine äußere Norm den natürlichen Signalen des Körpers übergestülpt wird", sagt Masa. Noch wichtiger: ihre Botschaft ist nicht, einen Schuldigen zu suchen. Eltern taten es aus Fürsorge - sie wollten, dass wir satt sind, dass Essen nicht übrig bleibt, dass wir lernen, "eine ernsthafte Mahlzeit zu schätzen". Damals war das gesunde Erziehung. Heute sind die Ernährungsempfehlungen völlig anders: zwingen Sie Kinder nicht, alles aufzuessen. Respektieren Sie, wenn der Körper "genug" sagt.

Was passiert physiologisch? Das Sättigungssignal kommt nicht in einem Moment - es baut sich auf. Die Hormone Ghrelin (sendet das Signal "Ich habe Hunger") und Leptin ("Ich bin satt") sprechen mit dem Gehirn. Aber es braucht etwa 15 Minuten, bis das Signal das Gehirn erreicht. Das heißt: wenn du schnell isst - oft am Telefon, vor dem Computer oder mit dem Fernseher - isst du viel mehr, als du brauchst, bevor das Gehirn überhaupt registriert, dass du satt bist.

Für den Balkan-Kontext besonders relevant. Großmutters Küche, Sonntage voller Gäste, "du musst noch essen" - all das ist eine reale und schöne kulturelle Tradition. Aber wenn jede Mahlzeit 15 Minuten dauert und mit leerem Teller endet, lernt der Körper nie, wann er "genug" sagen soll. Masa empfiehlt: kleinere Portionen servieren, Ablenkungen beim Essen wegnehmen, in der Mitte des Tellers eine Pause machen - prüfen, ob du noch hungrig bist. Und unbedingt: lassen Sie den Komplex um Reste fallen. Sie können morgen Abendessen werden. Es ist keine Sünde, nicht alles aufzuessen.