Skip to content

Europa baut sein eigenes NATO: Berlin ändert Kurs, die Nuklearfrage bleibt offen

1 Min. Lesezeit
Teilen

Europa beginnt, eine eigene Verteidigungsarchitektur aufzubauen - nicht gegen die NATO, sondern für den Fall, dass die NATO nicht ausreicht. Oder genauer: für den Fall, dass Amerika entscheidet, europäische Sicherheit sei nicht seine Priorität.

Die entscheidende Wende kam aus Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Land jahrzehntelang den französischen Druck für mehr europäische Verteidigungsautonomie abgelehnt hatte, änderte seine Position. Der Grund? Zweifel an der amerikanischen Verlässlichkeit, besonders bezüglich der Verpflichtungen gegenüber der Ukraine.

Wer ist dabei?

Großbritannien, Frankreich, Polen, die nordischen Länder und Kanada. Auf dem Tisch: Kommandostrukturen für die Luftverteidigung, Verstärkungskorridore Richtung Polen und Baltikum sowie Logistiknetzwerke. Finnlands Präsident betonte, "Europa muss größere Verantwortung übernehmen", während NATOs Generalsekretär andeutete, die Allianz werde "stärker europäisch geführt."

Aber die Nuklearfrage bleibt

Die gesamte NATO-Struktur ist auf amerikanische Führung ausgerichtet. Nur Washington bietet kontinentale nukleare Abschreckung. Frankreich und Großbritannien müssen ihre nuklearen und nachrichtendienstlichen Fähigkeiten erheblich ausbauen. Deutschland und Großbritannien kündigten kürzlich die gemeinsame Entwicklung von Tarnkappen-Marschflugkörpern und Hyperschallwaffen an.

Einige Länder erwägen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Europa rüstet auf - nicht weil es will, sondern weil es zu begreifen beginnt, dass der Schritt "Amerika wird uns schützen" möglicherweise nicht garantiert ist. Für den Balkan, wo Sicherheitsgarantien immer fließend waren, ist das nichts Neues - aber jetzt erleben es auch jene, die sich für immun hielten.