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Sie ertrank auf dem Weg nach Spanien, und am selben Tag wurde ihr Visum genehmigt: die Geschichte einer 26-jährigen Fußballerin

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Sie ertrank auf dem Weg nach Spanien, und am selben Tag wurde ihr Visum genehmigt: die Geschichte einer 26-jährigen Fußballerin

Am selben Tag, an dem Faten Ben Omar El Azizi beim Versuch, nach Ceuta zu schwimmen, ertrank, erhielt ihre Mutter einen Anruf von einem spanischen Beamten. Das Visum ihrer Tochter war genehmigt.

Faten war 26 Jahre alt und spielte Fußball für Maghreb Atlético Tetouan in der regionalen Frauenliga Marokkos. Sie starb am 30. Juli, unter etwa 150 Menschen, die an jenem Tag versuchten, die Grenze zur spanischen Enklave zu überqueren. Nach Angaben der Migrantenrechtsorganisation Caminando Fronteras starben allein im Juli mindestens 141 Menschen bei Überquerungsversuchen - ertrunken oder an der Landgrenze zerdrückt. Die meisten von ihnen waren unter 35.

Fünfundzwanzig Euro pro Sieg

Vom Fußball ließ sich nicht leben. Faten bekam rund 25 Euro für einen Sieg, für eine Niederlage nichts. Ihr Trainer erzählt, dass sie das Training genoss: dienstags auf dem Platz, donnerstags am Strand bei Tetouan.

Um die Familie zu ernähren, arbeitete sie auch auf dem ältesten Friedhof von Tetouan - sie reinigte Gräber und verkaufte Besuchern Basilikumzweige, die in muslimischer Tradition mit einem Segen für die Verstorbenen verbunden sind. Ihre Mutter Jamila sagt das, was keiner weiteren Erklärung bedarf: Sie träumte davon, über den Fußball nach Europa zu kommen.

Die Zahl, die diese Grenze erklärt

Fast 40 Prozent der Marokkaner zwischen 15 und 24 Jahren waren im vergangenen Jahr arbeitslos. Der Mindestlohn im Privatsektor liegt bei etwa 300 Euro monatlich. Im Land brachen die größten Proteste seit dem Arabischen Frühling 2011 aus, mit einer Forderung, die kaum Deutung braucht: Geld für Gesundheit und Bildung statt für teure Stadien zur Weltmeisterschaft 2030, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet.

Ein Staat, der Stadien für ein Turnier baut, das die Welt drei Wochen anschaut, während seine Zwanzigjährigen ins Meer gehen, weil sie an Land nichts erwartet - produziert keine Unglücke. Er produziert ein vorhersehbares Ergebnis.

Was geblieben ist

Jamila wusste nie, dass ihre Tochter überhaupt ein Visum beantragt hatte. Sie vermutet, Faten habe es über unoffizielle Kanäle versucht und nicht erwartet, dass es genehmigt würde - was die Entscheidung für die Überquerung noch schwerer erklärbar macht.

Danach erfuhr sie, dass ihre beiden anderen Kinder denselben Weg genommen hatten. Der älteste Sohn erreichte Ceuta und meldete sich. Von der 14-jährigen Tochter, die vermutlich spanisches Gebiet erreichte, gibt es noch keine Nachricht. Der Satz, mit dem die Mutter endet, braucht keinen Kommentar: Jetzt bin ich allein, ohne meine Kinder.

Fatens Visum war genehmigt. Das Dokument existierte. Es kam nur einen Tag nach dem Meer - und darin liegt der ganze Unterschied zwischen einem Verfahren und einem Leben.