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Frankreich steckte 100 Millionen in kostenlose KI für alle: während das Silicon Valley verkauft, will Paris etwas Öffentliches zurückgeben

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Frankreich steckte 100 Millionen in kostenlose KI für alle: während das Silicon Valley verkauft, will Paris etwas Öffentliches zurückgeben

Jedes große System für künstliche Intelligenz heute - von OpenAI über Google bis Anthropic - gehört einer Privatfirma. Eine Non-Profit-Organisation will genau diesen Satz umschreiben. Die Idee ist einfach und ehrgeizig: öffentliche KI-Infrastruktur, offen für alle, kostenlos - so wie einst das Internet selbst.

Die Organisation heißt Current AI, und dahinter steht nicht das Silicon Valley, sondern - Paris. Die französische Regierung startete sie mit 100 Millionen Dollar, danach schlossen sich die Ford- und MacArthur-Stiftungen, DeepMind und Salesforce an, womit die Gesamtsumme auf 400 Millionen stieg. „Sie sind keine Investoren, sie sind Geldgeber“, sagt Geschäftsführerin Ayah Bdeir. Der Unterschied ist nicht kosmetisch - ein Investor will Rendite, ein Geldgeber will ein Ergebnis, das öffentlich bleibt.

Warum ist das überhaupt eine Geschichte für den Balkan? Weil die Hälfte der Sprachen der Welt auf dem Weg ins Verschwinden ist und die großen Modelle sich fast nur von Englisch nähren. Jedes Volk, dessen Sprache für die großen Konzerne nicht „profitabel“ genug ist, wird unsichtbar für die Technologie, die verspricht, alles zu verändern. Mazedonisch, Albanisch, jede kleinere Sprache - dieselbe Logik gilt.

Bdeir, früher Leiterin der KI-Strategie bei Mozilla, zieht eine scharfe Linie. „Die großen Firmen bauen mehrsprachige Modelle, um ihren Markt zu erweitern“, sagt sie, „ohne Rücksicht auf Zustimmung oder Kontext.“ Ein Beispiel, das schmerzt: Für indigene Sprachen werden missionarische Bibelübersetzungen zu Trainingsdaten, noch bevor die Gemeinschaften überhaupt irgendwelche Regeln aufstellen.

Das erste Geld ist schon verteilt - 3,2 Millionen Dollar an vier Organisationen in Kenia, im Libanon und im brasilianischen Teil des Amazonas. In Kenia werden KI-Daten für über 50 afrikanische Sprachen aufgebaut; im Libanon wird die arabische Kulturgeschichte in Datenbanken digitalisiert, die von Gemeinschaften kontrolliert werden, nicht von den Tech-Giganten. Letzten Monat wurde in Genf ein offener Chatbot veröffentlicht, in sieben Wochen zusammengestellt von einer Koalition, zu der Hugging Face, Mozilla und das MIT Media Lab gehören.

„Größe ist nicht immer das Maß. Das ist das Paradigma der großen Firmen“, sagt Bdeir. Die Frage, die über dem ganzen Vorhaben schwebt, ist, ob 400 Millionen Konzernen standhalten können, die so viel für einen einzigen Trainingslauf ausgeben. Doch schon die Fragestellung selbst - wessen Daten, wessen Sprache, wer entscheidet - ist etwas, das die Großen längst aufgehört haben zu stellen.