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IRL, „Unabhängige" mit 180.000 Euro von MRT? Wo endet investigativer Journalismus und beginnt Geldabhängigkeit?

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Die Organisation INVESTIGATIVES REPORTERLABOR MAZEDONIEN (IRL) erklärt öffentlich, sie sei aus dem Bedürfnis nach einer „unabhängigen Plattform\" entstanden, die frei von politischen und unternehmerischen Einflüssen sei. Doch wenn ein Medium oder eine Organisation, die sich als unabhängig präsentiert, riesige Summen öffentlicher Gelder erhält - in diesem Fall 180.000 Euro von Mazedonisches Radio und Fernsehen -, ist die logische Frage: wie viel von dieser Unabhängigkeit bleibt wirklich übrig? Zusätzlich auffällig ist, dass sie selbst angeben, 2017 mit Unterstützung des „Internationalen Projekts zur Berichterstattung über organisierte Kriminalität und Korruption\" gegründet worden zu sein - einer internationalen Organisation, deren Partner in Mazedonien gerade IRL ist. Das wirft weitere Fragen auf: wie viele ausländische Zuschüsse und Spenden haben sie über die Jahre erhalten, von wem, für welche Zwecke - und hat die Öffentlichkeit vollen Einblick in diese Finanzströme? Die Bürger haben ein Recht zu wissen: wie wurde gerade diese Organisation ausgewählt, nach welchen Kriterien, für welche Projekte und mit welchem öffentlichen Interesse? Gab es Wettbewerb? Gab es eine öffentliche Ausschreibung? Und was genau hat die Öffentlichkeit für dieses Geld bekommen?

Wenn ein Medium oder eine Organisation das Bild absoluter Unabhängigkeit aufbaut und gleichzeitig erhebliche öffentliche und Spendenmittel nutzt, muss die Transparenz maximal sein. Sonst verwandelt sich Vertrauen in Misstrauen.

In einem Land, in dem der Journalismus Korrektiv des Systems sein soll, erwartet die Öffentlichkeit klare Antworten - nicht Deklamationen über Unabhängigkeit. Denn Unabhängigkeit beweist man nicht mit Slogans, sondern mit voller finanzieller Transparenz und gleicher Haltung gegenüber jedem Machtzentrum.

Nachdem das Thema der Mittel, die INVESTIGATIVES REPORTERLABOR MAZEDONIEN (IRL) erhielt, in der Öffentlichkeit aufgeworfen war, ist es nur natürlich, dass die Bürger auch schwierigere Fragen zu stellen begannen. Wenn eine Organisation, die sich als völlig unabhängig präsentiert, erhebliche Mittel von öffentlichen Institutionen, aber auch von ausländischen Organisationen und Fonds erhält, hat die Öffentlichkeit ein Recht auf vollständige Transparenz.

Heute kann jeder Bürger frei fragen: wurden Teile der Projekte und Recherchen von IRL von bestimmten Machtzentren in Auftrag gegeben, gelenkt oder finanziell motiviert? Wer setzt die Prioritäten? Wer entscheidet, welche Themen zu „großen Recherchen\" werden - und welche nie aufgemacht werden?

Diese Fragen sind kein Angriff auf den Journalismus, sondern ein wesentlicher Teil demokratischer Kontrolle. Besonders bei Organisationen, die seit Jahren das Image moralischer und beruflicher Autorität in der Gesellschaft aufbauen.